Warum man als Challenger‐Brand immer auf der Hut sein muss

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Dass das deutsche Wirtschaftsmagazin „Capital“ eine Datenpanne beim Branchenneuling N26 öffentlich gemacht hat, wird all jene unter den alteingesessenen Finanzinstituten freuen, denen neue Herausforderer im Markt generell ein Dorn im Auge sind.

Es hat also eine Datenpanne beim ehemaligen FinTech Start‐up gegeben, dass heute als Bankinstitut mit dem flotten Markennamen N26 für Furore sorgt. Was war geschehen? Vergangenen Oktober sollen laut dem deutschen Wirtschaftsmagazin „Capital“ Mitarbeiter von N26 Zugriff auf Kontodaten von Kunden – konkret Gehaltszahlungen, Überweisungen und persönliche Daten – gehabt haben. Und das sorgte gar nicht so sehr bei externen Kunden für Ärger, sondern bei jenen N26‐Mitarbeitern, die bei N26 ein Konto haben und deren Gehaltshöhe nun für andere N26‐Mitarbeiter ersichtlich war. Solche Datenpannen soll und darf es nicht geben. Und wenn es solche Datenpannen gibt, dann sollen sie auf offiziellem Weg an die Öffentlichkeit gelangen. Eigentlich hätte in diesem Fall nicht nur die Datenschutzbehörde – in Deutschland die Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit –, sondern auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) informiert werden müssen. Hätte sie nicht, sagt man dazu bei N26, da zu keiner Zeit ein Risiko für Kunden bestanden hätte.

Spannend ist an dieser Stelle, wie denn nun die Information über die angebliche oder tatsächliche Datenpanne bei N26 in die „Capital“-Redaktion gelangt ist. Antworten auf diese Frage wird man jedenfalls keine bekommen – da gibt es Gott‐sei‐Dank das Recht auf Auskunftsverweigerung aller in Redaktionen Beschäftigten über ihre Informanten, kurz das Redaktionsgeheimnis. Darüber nachdenken, wer von einer publik gewordenen Datenpanne im Hause N26, profitiert, darf man aber – die Gedanken sind schließlich frei. Haben die eventuell geschädigten Mitarbeiter von N26 ein veritables Interesse, dass ihr Unternehmen in den Medien abgewatscht wird? Nein, eher nicht. Außer ein Mitarbeiter ist mittlerweile ausgeschieden und nicht so gut auf seinen ehemaligen Arbeitgeber zu sprechen. Haben die anderen Player im Finanzmarkt, denen es auf den Geist geht, dass N26 mit seinen durchsichtigen Kreditkarten das Image der hippen und cleveren Alternative gepachtet zu haben scheint, ein Interesse, bei jeder sich bietenden Möglichkeit mit dem Finger auf N26 zu zeigen? Schon eher.

Wie auch immer und wer auch immer es war, und auch ganz unabhängig davon, ob da nun im vergangenen Oktober ein interner oder externen N26‐Kunde datenschutzrechtlich geschädigt wurde: Den Challenger‐Brands in einem Markt bläst halt immer eine rauerer Wind entgegen, als den etablierten Marken. Als Challenger‐Brand darfst Du Dir nicht einmal den kleinsten Fehler erlauben. Als Challenger‐Brand wirst Du bei der kleinsten, auch angeblichen Verfehlung vorgeführt. Darauf muss man als Challenger‐Brand einfach gefasst sein.

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