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Wirecard: Kein Guthaben auf den Philippinen

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Bei den beiden philippinischen Banken BDO und BPI zeigt man sich entsetzt, dass die Namen der zwei größten Finanzhäuser des Landes würden benutzt, um "die Spur der Täter zu verwischen", wie es heißt.

Nach dem Rücktritt von Ex‐Wirecard-CEO Markus Braun steht der neue Wirecard‐Boss James Freis vor einer großen Herausforderung: Freis muss den wegen eines milliardenschweren Bilanzskandals ins Taumeln geratenen deutschen Zahlungsabwickler retten, das ertrauen bei Anlegern und Kunden zurückgewinnen und schwierige Verhandlungen mit Banken führen. Diese dürften nach der massiven Herabstufung des Wirecard‐Ratings um gleich sechs Noten auf Ramschniveau nicht einfacher geworden sein. Die Suche nach einem verschwundenen Guthaben in Höhe von 1,9 Milliarden Euro verläuft bisher auf den Philippinen im Sande.

Das Geld sei nicht in das Finanzsystem gelangt, erklärte der Chef der philippinischen Zentralbank, Benjamin Diokno. Bei den beiden Banken BDO und BPI, die im Zusammenhang mit dem Bilanzskandal in Medienberichten genannt wurden, sei kein Kapital abgeflossen. Die Namen der zwei größten Finanzhäuser des Landes würden benutzt, um „die Spur der Täter zu verwischen”. Die Zentralbank werde Nachforschungen aber anstellen, versprach Dionko.

Die Institute hatten erklärt, Wirecard sei kein Kunde und Dokumente, die externe Prüfer des Zahlungsdienstleisters bei ihnen vorgelegt hätten, seien gefälscht. BPI suspendierte nach eigenen Angaben einen Mitarbeiter, dessen Unterschrift auf einem der gefälschten Dokumente erschienen sei. BDO erklärte gegenüber der Zentralbank, dass alles danach aussehe, dass einer ihrer Marketingmitarbeiter ein Bankzertifikat gefälscht habe.

Wirecard selbst sieht sich als Betrugsopfer

Wirecard hatte am Donnerstag den Jahresabschluss 2019 zum vierten Mal verschoben mit der Begründung, der Abschlussprüfer EY habe keine Hinweise auf die Existenz von Guthaben über 1,9 Milliarden Euro gefunden und deshalb ein Testat verweigert. Die Aktien stürzten ab, CEO Braun trat zurück. Wirecard selbst sieht sich als Betrugsopfer. In Medienberichten wurde dem Konzern immer wieder die Manipulation von Bilanzen vorgeworfen, Braun hatte dies stets bestritten.

Sein Nachfolger Freis hätte eigentlich erst am 1. Juli 2020 als Vorstandsmitglied starten sollen und dafür sorgen müssen, dass bei Wirecard Recht und Gesetze eingehalten werden. Bei der Aufklärung des Bilanzskandals dürfte dem 49‐Jährigen nun zugutekommen, dass er neu zu Wirecard kam – alle anderen Vorstände sind teils seit Jahrzehnten dort – und dass er bei seinem bis dato letzten Arbeitgeber, Deutsche Börse, das Ressort Compliance verantwortet hat. Freis studierte an der Georgetown University in Washington Wirtschaftswissenschaften und promovierte in Rechtswissenschaften in Harvard. Unter anderem war er bei der New Yorker Niederlassung der US‐Notenbank Fed und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich beschäftigt.

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