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Fehlendes Finanzwissen: Scheu vor Wertpapieren

Wiener Börse-Vorstand CEO Christoph Boschan.
© Wiener Börse AG

Wiener Börse-Vorstand CEO Christoph Boschan.

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Die fehlende Kompetenz in Finanz- und Wirtschaftsfragen hält Österreicher von Investments in Wertpapieren ab: Durch das konservative Anlageverhalten lassen die Österreicher die wenigen verbliebenen Rendite-Chancen liegen. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung von market im Auftrag der Wiener Börse. Für 83 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher ist solides Finanzwissen Voraussetzung für ein Investment in Aktien. Sie sind sich einig: Geld in Aktien macht nur Sinn, wenn man sich in Finanzfragen gut auskennt. Aber nur acht Prozent der Österreicher schätzen ihre eigenen Kenntnisse in Wirtschaft und Finanz als sehr gut ein.

Solide Finanzbildung braucht man jedoch, um Erspartes zu investieren: Mehr als zwei Drittel der Befragten finden es schwierig, grundsätzlich die für sie passenden Finanzprodukte zu finden.

„Die Österreicher verpassen Chancen und können sich nicht ausreichend schützen. Wir müssen das Problem an der Wurzel packen. Wirtschaftsbildung gehört in alle Lehrpläne der unterschiedlichen Schultypen und sollte auch im Klassenzimmer in ausreichendem Umfang unterrichtet werden“, sagt Börsevorstand Christoph Boschan. „Auch wegen fehlendem Finanzwissen ist Österreich eine Sparbuchnation. In einem Umfeld wie heute bekommen Sparer aber keine Zinsen. Aktien sind aktuell eine der wenigen Möglichkeiten, Ersparnisse gewinnbringend anzulegen. Dafür sprechen klare Zahlen.“ Der österreichische Leitindex ATX hat in der Langzeitbetrachtung 6,87 Prozent pro Jahr zugelegt. „Davon profitieren aber zu wenige Österreicher. Bildung ist der beste Anlegerschutz und überhaupt der Schlüssel zu Wissen und Kompetenz in diesem Bereich. Sie ist die Grundlage für einen mündigen Umgang mit dem eigenen Geld und der eigenen Vorsorge“, so Boschan.

Die Umfrage der Wiener Börse zeigt: Auch die Bevölkerung hat dieses Problem erkannt. 77 Prozent der Österreicher finden, dass in der Schule nicht ausreichend Finanzwissen unterrichtet wird, um selbst persönliche Vorsorgeentscheidungen treffen zu können. Im Alterssegment zwischen 15–29 Jahren (noch in Ausbildung oder gerade fertig) sind sogar 83 Prozent dieser Meinung. Ähnlich viele, nämlich 84 Prozent fordern, dass in Zukunft mehr Finanzwissen in österreichischen Schulen vermittelt wird.

Von einem informierten Umgang mit dem Thema Veranlagung profitieren Anleger ebenso wie der heimische Wirtschaftsstandort. Eine bewusste Geldveranlagung steigert einerseits die Chance auf höhere Renditen. Andererseits profitieren börsenotierte Leitbetriebe von österreichischen Investoren, die in der Regel die heimischen Unternehmen besser kennen. Das stärkt den Wirtschaftsstandort und sichert Arbeitsplätze. In börsenotierten österreichischen Betrieben arbeiten derzeit rund 400.000 Menschen. Der gesamtwirtschaftliche Wertschöpfungsbeitrag von Unternehmen mit Börsenotiz liegt aktuell bei 27,14 Milliarden Euro, rund 10 Prozent der österreichischen Wirtschaftsleistung. Jeder Euro, der in ein an der Börse notiertes Unternehmen investiert wird, bedeutet 2,3 Euro für die heimische Volkswirtschaft.

„Wir als Wiener Börse tragen wie viele andere Branchenvertreter unseren Teil dazu bei, die sogenannte Financial Literacy in Österreich zu steigern“, sagt Börse‐CEO Boschan. „Gemeinsam mit Lehrern haben wir Unterrichtsmaterialien zu Finanzthemen entwickelt, vermitteln Fachwissen und Didaktik in Seminaren und halten Vorträge an Schulen. Unsere Wiener Börse Akademie bietet zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten. Aber das kann nur ein Teil sein. Es ist auch die Politik gefordert“, so der Börsevorstand.

„Auch Bürger mit geringem Einkommen sollen die Chancen, die Veranlagung in Aktien bieten, für sich nützen können. Hier brauchen sie Unterstützung, da sie Konsumverzicht für Vermögensaufbau leisten“, so Boschan. Dazu macht die Wiener Börse konkrete Vorschläge: Eine Befreiung von der Kapitalertragssteuer für Einkommensbezieher bis 60.000 EUR oder die Wiedereinführung des KESt‐Entfalls für langfristige Investments wären geeignete und schnell umzusetzende Maßnahmen, um die persönliche Vorsorge zu fördern.

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