Der vermeintlich richtige Zeitpunkt für Kommunikation ist – hinterher betrachtet – oftmals der falsche …

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Manchmal ist das PR-Geschäft so ähnlich wie ein Gang ins Spielcasino: Obwohl alles perfekt vorbereitet ist, steht man am Ende im Worst Case mit leeren Händen da.

Die Älteren unter Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, erinnern sich eventuell: Wir schrieben den 13. Oktober 2009, und Skisportlegende Hermann Maier gab im Rahmen einer relativ kurzfristig einberufenen Pressekonferenz und unter Tränen seinen Rücktritt vom Wettkampfsport bekannt. Die Kurzfristigkeit der Anberaumung der Pressekonferenz hatte natürlich damit zu tun, dass jeder in Österreich bei einer längerfristigeren Bekanntgabe des PK‐Termins den Braten schon Tage im voraus gerochen hätte. Es war eine Riesentamtam. Ganz Medienösterreich war auf den Beinen und in den folgenden Stunden und Tagen gab es keine Fernsehanstalt, keinen Radiosender, keine Tageszeitung und kein Webportal, dass sich nicht eingehend mit dem Ende der aktiven Laufbahn des Herminators beschäfigte. Österreich hatte an diesem Tag genau ein Thema, und alles andere war auf gut Wienerisch „wuascht”.

An diesem 13. Oktober 2009 hätte aber auch ein anderes Medienereignis die Österreicher nachhaltig berühren sollen: Vor den geistigen Augen der Kommunikationsberater und Spin Doctors tanzten minutenlange Beiträge in allen „Zeit im Bild”-Sendungen und Aufmachergeschichten in sämtlichen relevanten Tageszeitungen – und dann kam alles ganz anderes. Der damalige niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll wollte nämlich vor die Presse treten und bekanntgeben, dass er nicht Bundespräsident von Österreich werden wolle und sich ergo auch nicht als Kandidat aufstellen lassen werde. „Ich bleibe Landeshauptmann in Niederösterreich, wir haben hier noch viel Arbeit vor uns”, ließ sich der NÖ‐Landesvater zitieren und wollte damit Spekulationen entgegentreten, die in den Tagen und Wochen davor immer wieder in den Medien breitgetreten worden waren. Und dann zog der Hermann Maier alle Aufmerksamkeit auf sich und der Erwin Pröll stand betropetzt da.

Natürlich war auch Prölls Ankündigung, bei der Bundespräsidentenwahl nicht anzutreten, vielen Medien eine Meldung wert. Aber jene unbändige Kraft, die sich Pröll erhofft hatte, hatte sein kommunikativer Vorstoß nicht. Nicht einmal im Ansatz. Der wortgewaltige Landeshauptmann musste zur Kenntnis nehmen, dass man gegen einen der populärsten heimischen Sportler der Nachkriegszeit nicht ankommt und besser nicht in den Ring steigen sollte. 

Und was hat die historische Begebenheit mit dem Österreich von heute zu tun? Eine ganze Menge, und nicht nur mit Österreich, aber eben auch. Der vermeintliche richtige Zeitpunkt für Kommunikation ist mitunter genau der falsche. Wie im Fall von zwei APA OTS‐Meldungen, die heute Früh (1. April 2021 – und nein, nicht was Sie jetzt denken!) fast zeitgleich um 8.30 Uhr auf die Weltöffentlichkeit losgelassen wurden: ORF und Servus TV gaben beide bekannt, dass sie sich umfangreiche Rechtepakete für Live‐TV‐Übertragungen von Spielen der Österreichischen Fußballnationalmannschaft bis Ende der 2020er Jahre gesichtert haben – und das wenige Stunden nachdem eben diese Österreichische Fußballnationalmannschaft im Ernst‐Happel‐Stadion mit 0:4 die höchste Pflichtspielheimniederlage kassiert hatte und ihre Popularität nicht gerade am Höhepunkt angekommen ist.

Fazit: Es ist schon klar, dass die Presseaussendungen zu dieser Causa seit Wochen vorbereitet und koordiniert sind – aber es gibt definitiv einen besseren Zeitpunkt, um die frohe Botschaft von den vielen Livespielen der heimischen Nationalelf nach draußen zu posaunen.

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