Erste Bank: Covid‐19 lässt Sparschweine in Zentral‐ und Osteuropa Speck ansetzen

Bernd Spalt, CEO Erste Group
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Laut aktueller Erste Bank Befragung stieg - wie in den vergangenen fünf Jahren - das durchschnittliche monatliche Spar- und Anlagevolumen auch 2020 wieder in sämtlichen CEE-Märkten. Viele Sparbüchern und Bausparen deuten auf Risikoscheu der Sparer.

In ganz Zentral‐ und Osteuropa wird 2020 Monat für Monat im Vergleich zum Vorjahr generell mehr Geld auf ein Sparbuch gelegt oder veranlagt. Während die Sparer in Zentral‐ und Osteuropa (CEE) nach wie vor besonders risikoavers sind und traditionelle Sparprodukte bevorzugen, zeigte die jüngste „Money Matters“-Umfrage, die IMAS für die Erste Group in Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Rumänien, Kroatien und Serbien durchgeführt hat, dass der Anteil der Befragten, die mit den von ihnen gesparten oder veranlagten Beträgen unzufrieden sind, 2020 zurückgegangen ist. Wer in CEE im laufenden Jahr mehr zur Seite legen konnte, schaffte dies dank eines höheren Einkommens und der insgesamt höheren Beschäftigung sowie durch das Aufschieben oder den Verzicht auf größere Anschaffungen. Gleichzeitig stieg 2020 auch der Prozentsatz jener, die angaben, ihre persönliche Finanzlage habe sich in den vergangenen Jahren ganz allgemein verschlechtert. Als Gründe für eine Verringerung der Sparleistung hat diese Gruppe hauptsächlich höhere Lebenshaltungskosten und die Auswirkungen der Covid‐19‐Krise genannt. „Seit Beginn der Corona‐Pandemie legen die Menschen in den Ländern Zentral‐ und Osteuropas im Durchschnitt monatlich mehr zur Seite. Das ist grundsätzlich gut. Allerdings nutzt die Bevölkerung trotz Ultraniedrigzinsumfeld eher einfache Sparprodukte“, erklärt Erste Group CEO Bernd Spalt. „Für die Erste ist klar, was zu tun ist: Wir müssen unseren Kunden helfen, ihre Mittel bestmöglich einzusetzen. Dazu müssen wir ihnen eine Beratung bieten, die auf ihre individuelle Lage und die Lebensziele zugeschnitten ist.“

Monatliche Sparleistung steigt in der gesamten Region

In Landeswährung konnten die Sparer in sämtlichen von IMAS erfassten CEE‐Ländern 2020 pro Monat mehr zur Seite legen als im Vorjahr. Den stärksten Anstieg verzeichneten die Tschechen und die Serben (mit einem Plus von jeweils 9 Prozent). Damit steigerten sie ihr durchschnittliches monatliches Sparvolumen stärker als die Sparer in Rumänien (plus 6 Prozent), Ungarn (plus 3 Prozent), der Slowakei und Kroatien (jeweils plus 2 Prozent). In absoluten Euro‐Zahlen übertrafen die Slowaken (plus 2 Prozent auf 113 Euro) wieder knapp die Tschechen (plus 4 Prozent auf 109 Euro). Aufgrund von Währungsentwicklungen sank die monatliche Sparleistung in Ungarn in Euro (um 3 Prozent auf 63 Euro) und blieb in Kroatien unverändert (bei 63 Euro). Die Serben lagen mit einem durchschnittlichen monatlichen Sparbetrag von 44 Euro zwar wieder hinter den Rumänen (plus 4 Prozent auf 59 Euro) und allen anderen CEE‐Ländern, konnten auf Eurobasis mit einem Plus von 10 Prozent gegenüber 2019 jedoch den stärksten Anstieg des Sparvolumens gegenüber dem Vorjahr verzeichnen. Der allgemeine Trend, dass die Menschen in CEE pro Monat mehr sparen, wird noch deutlicher, wenn man die Ergebnisse der jüngsten „Money Matters“-Umfrage mit jenen des Jahres 2015 vergleicht: In allen Ländern legten die Sparer 2020 regelmäßig erheblich mehr zur Seite als vor fünf Jahren. Der Anstieg der pro Monat durchschnittlich gesparten oder veranlagten Beträge fiel insbesondere in Tschechien (in Euro plus 43 Prozent) und Ungarn (plus 34 Prozent) besonders kräftig aus. In Kroatien konnten die Sparer in Euro hingegen nur 5 Prozent mehr pro Monat auf die hohe Kante legen als im Jahr 2015.

Sparen wird immer wichtiger

Das gestiegene Niveau der durchschnittlichen monatlichen Sparleistung und des Anlagevolumens zeigt, dass das Sparen für eine sehr große und noch weiter wachsende Mehrheit der Menschen in CEE einen hohen Stellenwert hat. 2020 lag der Anteil der Befragten, die angaben, regelmäßig Geld zu sparen oder anzulegen sei ihnen entweder „sehr wichtig“ oder „eher wichtig“, zwischen 69 Prozent in Serbien und 86 Prozent in der Slowakei. Dieser hohe Anteil ist möglicherweise auf Corona‐bedingte Zukunftssorgen zurückzuführen, die den Prozentsatz in Ungarn und der Slowakei (plus 10 Prozentpunkte), aber auch in Tschechien (plus 8 Prozentpunkte) und in Rumänien (plus 6 Prozentpunkte) im Jahresabstand stark ansteigen ließen. Andererseits zeigte sich diese Entwicklung auch in einem deutlichen Rückgang des Anteils jener Befragten, die angaben, sparen oder investieren sei für sie „weniger wichtig“ oder „gar nicht wichtig“. Diese Meinung vertraten nur zwischen 3 Prozent (in der Slowakei) und 14 Prozent (in Serbien). In der gesamten Region ist es den Menschen heute ganz allgemein wichtiger, regelmäßig zu sparen oder zu investieren als vor fünf Jahren. Dies gilt insbesondere für die Umfrageteilnehmer in Zentraleuropa, wo der Anteil der Slowaken und Tschechen, die angaben, Geld zur Seite zu legen sei ihnen „sehr wichtig“ oder „eher wichtig“ um 14 beziehungsweise 19 Prozentpunkte höher lag als 2015. Im Gegensatz dazu war sowohl in Ungarn als auch in Serbien der Anteil jener, für die Geld zur Seite zu legen wichtig war, 2020 sogar niedriger (um ca. 6 Prozentpunkte) als fünf Jahre zuvor.

Geringerer Prozentsatz unzufriedener Sparer und Anleger

Der Grad der Zufriedenheit der Umfrageteilnehmer mit den Beträgen, die sie in Form von Ersparnissen oder Kapitalanlagen zur Seite legen konnten, unterschied sich 2020 in den erfassten CEE‐Ländern beträchtlich. Am einen Ende der Skala gaben mehr als 40 Prozent der befragten Tschechen und Slowaken an, sehr oder eher zufrieden zu sein. Am anderen Ende war in Serbien und Ungarn nur etwas mehr als ein Viertel der Befragten mit ihrer Sparleistung zufrieden. Diese unterschiedliche Entwicklung wurde auch im Anteil jener deutlich, die weniger oder „gar nicht“ zufrieden waren: In diese Kategorie fiel in allen untersuchten Ländern mit Ausnahme von Tschechien und der Slowakei mehr als ein Drittel der Befragten. Am deutlichsten war diese Unzufriedenheit in Ungarn, wo 2020 fast die Hälfte der Befragten meinte, sie wären mit der Höhe des gesparten oder veranlagten Geldes nicht zufrieden. Gegenüber 2019 ist der Anteil der unzufriedenen Sparer in den meisten Ländern allerdings gesunken, insbesondere in Serbien (minus 8 Prozentpunkte) und Kroatien (minus 6 Prozentpunkte), obwohl der Anteil jener, die angaben, weniger sparen/investieren zu können, 2020 in fast allen Märkten anstieg und in Rumänien 38 Prozent erreichte. In CEE erklärten jene, die 2020 weniger sparen/investieren konnten, dies hauptsächlich damit, dass die Lebenshaltungskosten rascher gestiegen seien als das Einkommen. Als zweiter oder dritter Grund wurde in allen sechs erfassten Märkten jedoch ein wegen der Corona‐Krise geringeres Einkommen genannt. Gleichzeitig gab der größte Anteil der Befragten (meist eine deutliche Mehrheit) an, ihre Möglichkeiten regelmäßig zu sparen oder Geld zu veranlagen hätten sich gegenüber 2019 nicht verändert. Darüber hinaus zeigt ein Vergleich der Ergebnisse der „Money Matters“-Umfrage 2020 mit jenen des Jahres 2015 längerfristig einen rückläufigen Trend des Anteils der unzufriedenen Sparern/Investoren: Das Segment der unzufriedenen Sparer hat sich in den vergangenen fünf Jahren in allen Ländern verringert, in Serbien und Kroatien um jeweils rund 20 Prozentpunkte.  Wie zufrieden die Umfrageteilnehmer mit ihren Spar‐ und Kapitalanlagemöglichkeiten waren, war übrigens nicht direkt davon abhängig, wie sie die Entwicklung ihrer persönlichen Finanzlage im Lauf der letzten zwei oder drei Jahre beurteilten. In allen Märkten gab jeweils eine relative Mehrheit von 39 Prozent (Ungarn) bis 50 Prozent (Kroatien) der 2020 Befragten an, ihre persönliche Finanzlage sei mehr oder weniger gleich geblieben. Allerdings stieg der Anteil jener, die sie nun als schlechter beurteilen, in der gesamten CEE‐Region (mit Ausnahme Serbiens) an. Er belief sich in Ungarn und Kroatien auf rund 33 Prozent der Befragten und in Serbien, der Slowakei und Rumänien auf mehr als 20 Prozent. Im Gegensatz dazu erklärte ein signifikanter Prozentsatz der Befragten in Tschechien (38 Prozent), der Slowakei (29 Prozent) und Rumänien (29 Prozent), ihre finanzielle Lage habe sich in den vergangenen zwei oder drei Jahren verbessert.

Oft wird für die Zukunft mit althergebrachten Sparprodukten geplant

In allen sechs von der „Money Matters“-Umfrage erfassten CEE‐Märkten ist das Vorsorgen für Notfälle das Hauptmotiv dafür, Monat für Monat etwas Geld zur Seite zu legen. Der wieder am zweithäufigsten genannte Grund, der sowohl im Jahresabstand als auch im Lauf der letzten fünf Jahre an Bedeutung gewonnen hat, ist das Ansparen für kleinere und größere Anschaffungen sowie Renovierungsvorhaben. Ein weiteres bedeutendes Sparmotiv ist insbesondere bei Befragten in Zentraleuropa die Altersvorsorge: Man möchte die Pension aufbessern, früher in den Ruhestand treten oder eine angemessene Pflege sicherstellen. In Verfolgung dieser Ziele nutzen die Sparer in den meisten CEE‐Märkten auch weiterhin vor allem herkömmliche Sparprodukte (Sparbücher, Sparkarten und Sparkonten). Auch andere traditionelle Bankprodukte wie Bausparen und Lebensversicherungen sind in der Region nach wie vor beliebt, wobei es im Mix der Top Drei Spar‐ oder Kapitalanlageprodukte in den letzten fünf Jahren keine großen Veränderungen gab. In diesen Präferenzen kommt auch zum Ausdruck, dass CEE‐Sparer außerordentlich risikoavers sind, wobei sich die große Mehrheit in allen Ländern (bis zu 84% in Kroatien) als „sehr“ oder „eher“ sicherheitsbewusst beschreibt. Aufgrund dieser Einstellung nehmen die meisten CEE‐Sparer eine ausgesprochen neutrale Haltung gegenüber einer Investition in Aktien, Wertpapiere, Anleihen, Fonds und sonstige Kapitalanlagen ein. Laut der jüngsten „Money Matters“-Umfrage ist Rumänien das einzige Land, in dem der Anteil der Befragten, die über Aktien‐ und Anleiheninvestments eine positive Meinung haben, größer ist als jener, der neutral eingestellt ist.

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