WIFO: Corona‐Pandemie verursacht historischen Einbruch der Wirtschaftsleistung

Wien bei Nacht
© Pixabay
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Die wirtschaftliche Dynamik der Bereiche Information und Kommunikation, Kredit- und Versicherungswesen, Grundstücks- und Wohnungswesen sowie die öffentliche Verwaltung erwies sich im 2. Quartal 2020 als krisenresistent.

Laut der aktuellen Schnellschätzung des Wirtschaftsforschungsinstituts WIFO brach die österreichische Wirtschaft im 2. Quartal 2020 gegenüber dem Vorjahr um 12,8 Prozent ein. Damit führten die wirtschaftlichen Effekte der COVID‐19‐Pandemie wie erwartet zu einer Rezession in historischem Ausmaß. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie zogen einen massiven Ausfall der Konsumnachfrage mit sich. Das spiegelt sich in Wertschöpfungseinbußen der Bereiche Tourismus, Verkehr, Handel, persönliche Dienstleistungen sowie Kunst, Unterhaltung und Erholung wider. Im Gleichklang mit dem internationalen Umfeld brachen auch die heimische Industrie sowie die Exportnachfrage ein. Das BIP lag damit um 10,7 Prozent unter der Vorperiode. Der Rückgang dieser Größenordnung erwies sich als einzigartig in den Berechnungen zur wirtschaftlichen Aktivität seit dem Zweiten Weltkrieg. Das Ergebnis für das 1. Quartal wurde nur geringfügig revidiert und liegt aktuell bei –2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr und –2,4 Prozent gegenüber der Vorperiode.

Nur wenige Bereiche der Wirtschaft waren krisenresistent

Die Folgen der COVID‐19‐Pandemie für die heimische Wirtschaft zeigten im 2. Quartal die bisher größten Einbußen. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie sowie die sukzessive Öffnung der Handels‐ und Dienstleistungsbereiche zwischen Mitte April und Ende Mai bestimmten die wirtschaftliche Entwicklung maßgeblich. In den Bereichen Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kfz, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie sank die Wertschöpfung gegenüber dem Vorjahr um 27,8 Prozent und war mit –5,4 Prozentpunkten für fast die Hälfte des BIP‐Rückganges im 2. Quartal verantwortlich. Mit Wertschöpfungseinbußen von 32 Prozent waren auch die Bereiche Sport, Kultur‐ und Unterhaltungseinrichtungen sowie persönliche Dienstleistungen unmittelbar stark betroffen. Der negative Wachstumsbeitrag zur gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung fällt mit –0,8 Prozentpunkten indes aufgrund des geringen Gewichts moderat aus. Auch in den Sektoren Bergbau, Herstellung von Waren, Energie‐ und Wasserversorgung, Abfallentsorgung brach die Wertschöpfung massiv ein (–20,9 Prozent). Angebotseinschränkungen sowie heimische und internationale Nachfrageausfälle prägten die Entwicklung. In der Bauwirtschaft wurde ein Rückgang von 9,2 Prozent verzeichnet. Als krisenresistent erwies sich hingegen die wirtschaftliche Dynamik der Bereiche Information und Kommunikation, Kredit‐ und Versicherungswesen, Grundstücks‐ und Wohnungswesen sowie die öffentliche Verwaltung.

Privater Konsum mit historischem Nachfrageausfall

Der massive wirtschaftliche Einbruch zog sich auch quer über die Nachfragekomponenten des BIP. Während der private Konsum aufgrund der Einschränkungen in Handels‐ und Dienstleistungsbereichen einen historischen Nachfrageausfall mit sich brachte (–15,9 Prozent) und das BIP maßgeblich dämpfte (–8,3 Prozentpunkte), wurde auch die Investitions‐ und Exporttätigkeit deutlich eingeschränkt, wenngleich sich hier das Ausmaß der aktuellen Rückgänge im Bereich der Finanzmarkt‐ und Wirtschaftskrise 2008/09 bewegt. Die Anlageinvestitionen sanken im 2. Quartal um 10,9 Prozent, die Exporte um 18,1 Prozent – hier drückte der massive Einbruch der Reiseverkehrsexporte die Entwicklung. Die Importe lagen aktuell um 15,3 Prozent unter dem Vorjahresniveau, sodass der Außenbeitrag die gesamtwirtschaftliche Entwicklung dämpfte.

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