Wolfgang Viehauser, HYPO NOE: „Sind stolz darauf, dass wir die ersten in Österreich waren, die einen Green Bond emittiert haben.“

Wolfgang Viehauser, Vorstandssprecher HYPO NOE
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Wolfgang Viehauser, Vorstandssprecher HYPO NOE

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Nun hat es die niederösterreichische Regionalbank schriftlich: Die HYPO NOE ist Österreichs nachhaltigste Regionalbank: Im Interview erklärt Wolfgang Viehauser, Vorstandssprecher HYPO NOE, wie wichtig dem Bankinstitut Nachhaltigkeit ist.

ForumF: Laut dem Nachhaltigkeits‐Rating von ISS ESG (Institutional Shareholders Services, Environmental Social Governance) ist die HYPO NOE Landesbank, die nachhaltigste Regionalbank Österreichs. Was zeichnet ein nachhaltiges Bankinstitut im Jahr 2020 Ihrer Ansicht nach aus?

Wolfgang Viehauser: ISS ESG bewertet sowohl die ökologische als auch die soziale Performance von Unternehmen. Beide Themenbereiche sind miteinander verbunden und daher muss ein nachhaltiges Bankinstitut beide Zielsetzungen gleichwertig verfolgen. Nachhaltig handeln heißt seinen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, zugleich aber auch sozial zu sein. Unsere Kernkompetenz ist die Finanzierung sozialer Infrastruktur und im Rahmen unserer Unternehmensführung nehmen wir die soziale Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sehr ernst. Ein nachhaltiges Bankinstitut sollte daher seinen bestmöglichen Beitrag zu den Umweltzielen der Europäischen Union und zu den Sustainable Development Goals der UN liefern – und diese umfassen den Umwelt‐ und Klimaschutz genauso wie soziale Zielsetzungen. Wir verfolgen seit 2013 unsere Nachhaltigkeitsstrategie sehr ambitioniert und konnten in Folge unser Rating laufend verbessern. 2016 haben wir den prime Status von ISS ESG erreicht und nun sind wir auf C+ angehoben worden.

ForumF: Mit der höchsten Leistung von Windkraftanlagen in Österreich und der meisten Anzahl an e‑Autos positioniert sich Niederösterreich österreichweit vorbildlich in Sachen Umwelt‐ und Naturschutz. Wie fügt sich die HYPO NOE in diesen Nachhaltigkeitsgedanken ein?

Wolfgang Viehauser: Als Landesunternehmen sind wir stark mit der Region verwurzelt und fühlen uns auch den Werten unseres Eigentümers – dem Land Niederösterreich – verpflichtet. Deshalb verfolgen wir in Sachen Klima‐ und Umweltschutz sicher die gleichen Ziele. Beispielsweise haben wir unsere Car Policy ökologisiert, unseren CO2 Verbrauch halbiert und setzen auf 100% Ökostrom. In unserer Garage haben wir E‑Ladestellen implementiert und am Dach produzieren wir Solarenergie und bieten 200.000 Honigbienen ein zu Hause, um so die Artenvielfalt zu stärken. Unser starkes Engagement in Sachen Naturschutz und Biodiversität spiegelt sich ebenso in unserer Unterstützung für das Wildnisgebiet Dürrenstein wider.

ForumF: Als erste Bank im Land emittierte die HYPO NOE einen Green Bond, der mit dem Umweltzeichen für nachhaltige Finanzprodukte zertifiziert wurde: Wie lange wurde dieses Projekt vorbereitet und wie kommt es am Finanzmarkt an?

Wolfgang Viehauser: Wir sind zu Recht stolz darauf, dass wir die ersten in Österreich waren, die einen Green Bond mit Umweltzeichen Zertifikat emittiert haben. Unser Geschäftsmodell fokussiert auf die Finanzierung sozialer Infrastruktur und Immobilien – allen voran den gemeinnützigen Wohnbau. In Niederösterreich sind die ökologischen Auflagen im öffentlichen Bereich sehr streng und werden außerdem laufend verschärft. Ein grünes Portfolio zusammenzustellen war für uns daher keine große Herausforderung, allerdings wollten wir die Nachvollziehbarkeit optimal umgesetzt wissen. Deshalb haben wir unser Konzept auch von externer Seite – mit einer sogenannten Second Party Opinion von ISS ESG – sowie dem Umweltzeichen UZ49 prüfen und bestätigen lassen. 134 Investoren aus 18 Ländern boten über eine Milliarde Euro für unseren 500 Millionen Euro großen Green Bond. Damit wurde der doppelte Betrag geboten, was für ein Emissions‐Debüt sehr beachtlich ist. Rund 30 Prozent dieser Investoren boten auch erstmalig für eine unserer Emissionen.

ForumF: Im Jahr 2013 rief die HYPO NOE ihr Corporate Social Responsibility Programm, zur nachhaltigen Reduktion ihres ökologischen Fußabdrucks ins Leben und auch im Sponsoring‐Bereich setzen Sie auf nachhaltige Projekte, wie „Wir für Bienen“. Welche weiteren Maßnahmen setzt die HYPO NOE im Bereich Nachhaltigkeit um?

Wolfgang Viehauser: Wir haben unsere Strategie im Bereich Nachhaltigkeit auf drei Säulen aufgebaut: der Finanzierung von Projekten mit gesellschaftlichem Mehrwert – zugleich unsere Kernkompetenz und unser Geschäftsmodell, die zweite Säule ist das Agieren als verantwortungsvoller Arbeitgeber und die dritte Säule ist die laufende Reduktion des eigenen ökologischen Fußabdruckes. In all diesen drei Themenschwerpunkten setzen wir laufend Initiativen. So leben wir unsere klima‐aktiv Programmpartnerschaft, außerdem evaluieren wir gerade weitere grüne Produkte für unsere Kundinnen und Kunden. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben wir über ‚ihren Arbeitsplatz der Zukunft‘ befragt und setzen nun Schritt für Schritt flexiblere Arbeitszeitmodelle sowie weitere Möglichkeiten zum Home‐Office um.

ForumF: Was tragen die Mitarbeiter zur Nachhaltigkeit bei der HYPO NOE bei?

Wolfgang Viehauser: Mitbestimmung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist für uns sehr wichtig – unabhängig davon ob das im Bezug auf uns als flexibleren Arbeitgeber oder im Hinblick auf Nachhaltigkeit ist. Beispielsweise haben wir eine Nachhaltigkeits‐Arbeitsgruppe gegründet, die laufend Vorschläge der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufnimmt und umsetzt. Auf Basis dieser Vorschläge haben wir Kaffeekapseln aus unserem Alltag verbannt und komplett auf Bohnenkaffee umgestellt. In jedem Stockwerk wird der Müll getrennt und aktuell evaluieren wir die Möglichkeit einer Umstellung von Milch im Tetrapack auf Glasflaschen. Zusätzlich sind unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr bemüht, den Papierverbrauch ständig zu verringern – beispielsweise durch neue innovative digitale Lösungen.

ForumF: Welche Ziele gilt es für die HYPO NOE heuer – neben dem Rating Upgrade der ISS ESG – noch zu erreichen?

Wolfgang Viehauser: Wir wollen heuer in allen drei Säulen unserer Strategie möglichst viele Initiativen umsetzen. Beispielsweise wollen wir für unsere Kundinnen und Kunden auch grüne Produkte anbieten, die auch wirklich Klima‐ und Umweltschutz fördern. Derzeit sind wir dabei, entsprechende Ideen zu entwickeln. Gleichzeitig arbeiten wir daran, familienfreundlicher zu werden, unsere Arbeitszeiten zu flexibilisieren und Home‐Office auszubauen. Home‐Office hat natürlich auch den Vorteil, dass weniger zum Arbeitsplatz gependelt wird, was der CO2‐Bilanz insgesamt zuträglich ist.

ForumF: Die Bilanzfälschungen bei der Commerzialbank Mattersburg werfen auch einen Schatten auf das Image von Österreichs Regionalbanken in ihrer Gesamtheit. Wie geht man damit bei der HYPO NOE um?

Wolfgang Viehauser: Wir haben keinerlei Geschäftsbeziehungen zur Commerzialbank Mattersburg. Daher braucht es jetzt volle Transparenz, Aufklärung und klare Konsequenzen für alle Verantwortlichen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass die Sparerinnen und Sparer über die gemeinsame Einlagensicherung bis zu 100.000 Euro gesichert sind. Als Landesbank verfolgen wir ein sehr risikoarmes Geschäftsmodell und haben eine der besten Kernkapitalquoten überhaupt. Das wissen und schätzen auch unsere Kundinnen und Kunden, die uns seit über 130 Jahren vertrauen. Wir setzen daher so wie bisher auch auf diese enge Partnerschaft, die wir mit unseren Kundinnen und Kunden eingehen und sind uns sicher, dass wir damit weiterhin gut unterwegs sein werden.

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