UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator: Konjunkturerholung in Österreich setzt sich im zweiten Halbjahr fort

Wiener Einkaufsstraße
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Österreichs Wirtschaft startet mit hohem Erholungstempo in das dritte Quartal: UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator steigt im Juli um einen Punkt auf minus 2,3 Punkte.

Die Verbesserung der Konjunkturstimmung in Österreich nach dem Lockdown setzt sich fort. „Der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator hat im Juli um einen Punkt zugelegt, auf aktuell minus 2,3 Punkte. Damit weist der Indikator noch auf einen Rückgang der Wirtschaftsleistung im Jahresvergleich hin. Seit dem Tiefpunkt im April zeigt sich jedoch eine rasche und kontinuierliche Aufwärtsbewegung, die damit zumindest den Beginn einer typischen V‑förmigen Konjunkturerholung nach dem Lockdown anzeigt“, so UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer und ergänzt: „In weiterer Folge wird die Erholung jedoch eher einem langgezogen Häkchen gleichen als einem V.“ Die österreichische Wirtschaft ist nach dem scharfen Einbruch ab März mittlerweile wieder auf einen Wachstumskurs eingeschwenkt. Sie kommt zwar langsam auf die Beine, aber es besteht deutliches Aufholpotenzial, denn die Wirtschaftsleistung in Österreich liegt in diesem Sommer um rund zehn Prozentpunkte unter dem Vorkrisenniveau.

Belebung der internationalen Konjunktur

Nach der anfangs relativ dynamischen Aufwärtsbewegung aus dem Lockdown zeigen sich zu Beginn des dritten Quartals zunehmend die Mühen der Ebene der Erholung. Die Stimmung am Bau hat im Juli nach einer raschen Verbesserung einen ersten Dämpfer erlitten. Zwar liegt sie erneut über dem langjährigen Durchschnitt, verfehlt jedoch bei Weitem die Hochstimmung, die bis zum März bestanden hat. Auch die Stimmung der Konsumenten hat im Vergleich zum Vormonat wieder einen Rückschlag erlitten, sodass der grundsätzlich vorherrschende Pessimismus wieder zugenommen hat. Die hohe Unsicherheit in Hinblick auf die weitere Entwicklung der Pandemie und daraus folgend mögliche Einschränkungen für das Wirtschaftsleben mit negativen Konsequenzen auf den noch immer stark angespannten Arbeitsmarkt trüben den Ausblick. „Während die Stimmung am Bau und das Konsumentenvertrauen im Juli Rückschläge erlitten haben, deutet die Verbesserung des Exportumfelds auf eine einsetzende Belebung der internationalen Konjunktur hin. Dieser Rückenwind für die österreichische Wirtschaft zeigt sich aktuell in einem Anstieg der heimischen Industriestimmung. Zudem hat die Lockerung der Maßnahmen gegen die Pandemie einigen Dienstleistungsbranchen einen Silberstreifen am Horizont aufgezeigt“, so Bruckbauer.

Erholung verliert im Jahresverlauf an Tempo

Die eingesetzte Erholung der österreichischen Wirtschaft sollte sich in den kommenden Monaten fortsetzten. Der sich mittlerweile verlangsamte Verbesserungstrend des UniCredit Bank Austria Konjunkturindikators lässt jedoch darauf schließen, dass das Anfangstempo des Aufschwung nicht mehr gehalten werden kann. Die während des Lockdowns aufgegangene Outputlücke wird sich aufgrund der schwächelnden Nachfrage nur langsam schließen. Die kommenden Monate werden von einer anhaltenden Konsumzurückhaltung geprägt bleiben. Davon werden Branchen wie der Tourismus, die Gastronomie und gewisse Bereiche im Handel über die gesamte zweite Jahreshälfte hinweg besonders betroffen sein, zumal voraussichtlich weiter steigende Infektionszahlen nach dem Sommer die Verunsicherung tendenziell wieder erhöhen dürften.

Zudem wird die angespannte Lage am Arbeitsmarkt die Konsumdynamik begrenzen, insbesondere in Bezug auf langlebige Konsumgüter. Auch die Investitionsnachfrage wird sich trotz verbesserter staatlicher Fördermaßnahmen aufgrund einer angespannten Liquidität der Unternehmen sowie des verhaltenen Geschäftsausblicks nur sehr gebremst erholen. Zwar zeigen sich erste positive Signale im internationalen Handel, aber bei anhaltender Ausbreitung der Pandemie insbesondere am amerikanischen Kontinent wird die Dynamik begrenzt bleiben, so dass der Außenhandel in den kommenden Monaten voraussichtlich wenig Wachstumsunterstützung für die österreichische Wirtschaft bringen wird. „Trotz der Fortsetzung der Erholung wird das Wirtschaftswachstum im Jahresvergleich in der zweiten Hälfte 2020 negativ sein, wenn auch mit klar abnehmender Tendenz. Wenn auch der Einbruch der Wirtschaft im zweiten Quartal mit rund 13 Prozent im Jahresvergleich etwas geringer ausgefallen ist als wir ursprünglich erwartet haben, gehen wir weiterhin von einem Rückgang des BIP im Gesamtjahr 2020 von bis zu acht Prozent aus. Das weitere Erholungstempo der österreichischen Wirtschaft wird durch eine zurückhaltende Entwicklung der In‐ und Auslandsnachfrage bestimmt werden“, meint UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl.

Staatliche Konjunkturprogramme werden 2021 wichtige Nachfrageimpulse setzen

Die Erholung aus dem Lockdown im zweiten Halbjahr 2020 sollte sich im kommenden Jahr 2021 fortsetzen. Nach dem anfänglich starken Aufholmoment wird sich das Erholungstempo jedoch weiter einschleifen. Der globale Handel wird voraussichtlich nur zögerlich wieder auf einen soliden Wachstumspfad einschwenken. Politische Unsicherheiten und die wirtschaftlichen Unabwägbarkeiten infolge der andauernden Pandemiegefahr werden viele Teile der exportstarken österreichischen Industrie daher noch nachhaltig belasten. Aufgrund der verhaltenen globalen Nachfrage wird sich die Investitionsbereitschaft der Unternehmen in Grenzen halten. „Die massiven staatlichen Konjunkturprogramme sowohl auf europäischer Ebene als auch in Österreich werden 2021 wichtige Nachfrageimpulse setzen können. Die Investitionen und auch der Konsum werden dadurch gestärkt werden. Allerdings werden die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie weiterhin spürbar sein. Trotz eines zahlenmäßig beeindruckenden Wirtschaftswachstums von bis zu sieben Prozent dürfte die österreichische Wirtschaft 2021 kaum das Auslastungsniveau von vor der Corona‐Krise erreichen“, so Pudschedl.

Verbesserungstrend am Arbeitsmarkt verlangsamt sich

„Die zurückhaltende Entwicklung der Nachfrage, die das Erholungstempo beeinträchtigt, sorgt gemeinsam mit dem niedrigen Ölpreis für eine weiterhin niedrige Inflation, die wir für 2020 mit durchschnittlich 1,1 Prozent erwarten. Allerdings wird dadurch auch der weitere Ausblick für den Arbeitsmarkt belastet. Der laufende Verbesserungstrend wird sich in den kommenden Monaten deutlich verlangsamen und nach durchschnittlich zehn Prozent im Jahr 2020 wird die Arbeitslosenquote 2021 mit zumindest acht Prozent noch deutlich über dem Vorkrisenniveau liegen“, meint Pudschedl. Nach dem rasanten Anstieg der Arbeitslosigkeit im Lockdown hat sich mit den Lockerungsmaßnahmen die Arbeitslosigkeit anfangs rasch wieder verringert. Im April erreichte die Arbeitslosenquote mit 12,7 Prozent ihren historischen Höchststand, lag aber Ende Juli bereits um rund zwei Prozentpunkte tiefer. Mittlerweile hat das Tempo der Verbesserung jedoch deutlich nachgelassen und der weitere Rückgang der Arbeitslosenquote wird sich schwieriger gestalten. Einige Branchen sind durch die Pandemiemaßnahmen in ihrer Entwicklung weiter behindert. Aufgrund der schwächelnden Nachfrage wird bei vielen Unternehmen das Kurzarbeitsprogramm als Überbrückungsmaßnahme der Corona‐Krise nicht ausreichen, sodass Personalanpassungen notwendig werden. Daher wird sich nach Einschätzung der Ökonomen der UniCredit Bank Austria in den kommenden Monaten die Arbeitslosenquote deutlich langsamer verringern und bis zum Jahresende nur noch um rund einen Prozentpunkt auf etwa 9,5 Prozent saisonbereinigt sinken.

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