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OeNB Zahlungsbilanz 2020: Importe und Exporte um jeweils 15 Prozent eingebrochen

Gottfried Haber ist Vize-Gouverneur der Österreichischen Nationalbank
© OeNB

Vize-Gouverneur Oesterreichische Nationalbank, Gottfried Haber

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Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) präsentierte die Zahlungsbilanz für das Corona-geprägte Jahr 2020.

Die von der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) am 6. Mai präsentierte Zahlungsbilanz für das Jahr 2020 zeigt, wie die Covid‐19‐Pandemie Österreichs Güter‐ und Dienstleistungsverkehr mit dem Ausland aktiv‐ und passivseitig in historischem Ausmaß einbrechen ließ, wobei die Leistungsbilanz dennoch erneut positiv bilanzierte. Das Wegbrechen internationaler Lieferketten sowie umfangreiche Reisebeschränkungen führten zu teilweise dramatischen Rückgängen der Exporterlöse, die nahezu alle Branchen betrafen. Am stärksten litt der grenzüberschreitende Reiseverkehr unter den Folgen der Pandemie und kam im zweiten und vierten Quartal nahezu vollständig zum Erliegen. Auch im Kapitalverkehr mit dem Ausland hinterließ die Krise ihre Spuren. Die Refinanzierung staatlicher Hilfsmaßnahmen in Österreich erforderte eine deutliche Ausweitung der Wertpapieremissionen auf den internationalen Kapitalmärkten.

„Globale Wirtschaftskrisen treffen kleine, hochvernetzte Volkswirtschaften wie Österreich, die von internationalen Lieferketten und überwiegend von ausländischen Absatzmärkten abhängig sind, besonders schmerzlich“, erläuterte Vize‐Gouverneur Gottfried Haber im Rahmen einer Pressekonferenz der OeNB.

Österreichs gesamten Exporte brachen im Jahr 2020 infolge der Covid‐19‐Pandemie ebenso wie die Importe um jeweils 15 Prozent ein. Die Leistungsbilanz ergab einen Überschuss von 9,5 Milliarden Euro bzw. 2,5 Prozent des BIP, da sowohl der Güterhandel (+5,3 Milliarden Euro) als auch der Reiseverkehr (+8,0 Milliarden Euro) – bei jeweils deutlich geringeren Bruttoströmen – positiv bilanzierten. Das Plus im Tourismus resultierte aus einem Rückgang der Reiseverkehrsausgaben Österreichs im Ausland (-59 Prozent), der das Minus bei den entsprechenden Einnahmen (-40 Prozent) übertraf.

Im Güterverkehr verzeichneten die Exporterlöse im Jahr 2020 ein Minus von 7 Prozent und beliefen sich auf 142 Milliarden Euro. Den stärksten Rückgang zeigten mit Maschinen und Fahrzeugen (-12 Prozent) sowie bearbeiteten Waren (-10 Prozent) jene Produktgruppen, die das größte Gewicht im österreichischen Güterexport haben. Auch die Ausfuhr aller übrigen wesentlichen Exportgüter war 2020 rückläufig. Unternehmensbezogene Dienstleistungsexporte fielen im Jahr 2020 ebenfalls um 7 Prozent geringer aus als im Vorjahr, wobei der Personentransport (-50 Prozent) besonders schwer betroffen war. Die Güterimporte sind insgesamt um 9 Prozent auf 136 Milliarden Euro gesunken, wobei neben Maschinen und Fahrzeugen vor allem der Bereich Brennstoffe und Energie, der fast zur Gänze durch den rückläufigen Rohölpreis bestimmt wurde, betroffen war. Wichtigster Handelspartner Österreichs blieb auch im Verlauf der Pandemie Deutschland. Importseitig gewannen China (+3 Prozent) und die Schweiz (+8 Prozent) weiter an Bedeutung.

Der Reisverkehrssaldo reagierte stark auf die pandemiebedingten Schließungen im zweiten und vierten Quartal. Während das erste Quartal von Einschränkungen noch weitgehend unberührt war und im dritten Quartal gelockerte Maßnahmen den Sommertourismus größtenteils zuließen, brachen die grenzüberschreitenden Reiseverkehrseinnahmen im zweiten und vierten Quartal um mehr als 80 Prozent ein. „Österreich zählt weltweit zu den attraktivsten internationalen Reisezielen und stützt seine außenwirtschaftlichen Erfolge zu einem guten Teil auf den Tourismus“, erklärte Johannes Turner, Direktor der OeNB‐Hauptabteilung Statistik. „Der im Jahr 2020 erlittene Einnahmenverlust von 40 Prozent bedeutet daher eine Zäsur in der langen Erfolgsgeschichte des österreichischen Reiseverkehrs“, ergänzte Turner.

Die Kapitalbilanz, die spiegelbildlich zur Leistungsbilanz im historischen Vergleich durchwegs positive Salden aufwies, zeigte im Jahr 2020 ein Plus von 5,2 Milliarden Euro. Dieses Ergebnis liegt deutlich unter dem Vergleichswert 2019 (+16,9 Milliarden Euro). Überschüsse erzielte Österreich vor allem aus grenzüberschreitenden Unternehmensbeteiligungen, die 2020 per Saldo +10,5 Milliarden Euro ergaben. Österreich setzt dabei nach wie vor einen deutlichen regionalen Schwerpunkt in Zentral‐ und Osteuropa. Im Jahr 2020 hatte Österreich sowohl aktiv‐ als auch passivseitig negative Flüsse zu verzeichnen, die von einzelnen großen Fällen dominiert wurden und nicht mit der Pandemie im Zusammenhang standen.

Der Forderungsaufbau aus Wertpapieren in Höhe von 18,3 Milliarden Euro (+10,2 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr) geht mit 11,1 Milliarden Euro auf österreichische Banken zurück, die nach einer längeren Abbauphase wieder vermehrt in Banktitel und Staatsanleihen investieren. Darüber hinaus ist ein „Pandemieeffekt“ beim Anlageverhalten der privaten Haushalte zu beobachten. So flossen 1,7 Milliarden Euro in ausländische Aktien und weitere 1,8 Milliarden Euro in ausländische Investmentfonds. Noch deutlicher stiegen die Wertpapierverpflichtungen an (+32,8 Milliarden Euro). Die Emissionstätigkeit des Staates zur Finanzierung von Hilfsmaßnahmen nahm 2020 deutlich zu, wobei Anleihen im Ausmaß von netto 12 Milliarden Euro von ausländischen Investoren gekauft wurden. Gleichzeitig refinanzierten sich Unternehmen im Ausland, um Liquidität für länger geplante Investitionen aufzubauen.

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