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UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator: Lockdown 2.0 unterbricht Erholung von Österreichs Wirtschaft

UniCredit Bank Austria
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UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator sinkt im November mit dem stärksten monatlichen Rückgang seit April auf minus 2,5 Punkte. Industrie und Bau weitgehend stabil, starker Einbruch im Dienstleistungssektor. Erholung im zweiten Halbjahr 2021 erwartet.

Nach der leichten Eintrübung im Oktober hat sich die Konjunkturstimmung in Österreich im November durch den zweiten Lockdown verschlechtert. „Der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator ist im November auf minus 2,5 Punkte gesunken. Nach einem Aufwärtstrend von vier Monaten hat sich damit die sich im Oktober bereits angekündigte Konjunktureintrübung verschärft“, meint Stefan Bruckbauer, UniCredit Bank Austria Chefökonom. Der monatliche Rückgang des UniCredit Bank Austria Konjunkturindikators um 1,1 Punkte ist der stärkste seit dem ersten Lockdown im April. Damals sank der Indikator jedoch sogar um 5,5 Punkte. „Infolge des zweiten Lockdowns zur Bekämpfung der Pandemie steuert die österreichische Wirtschaft auf eine erneute Rezession über den Winter zu. Allerdings dürfte der Einbruch deutlich geringer ausfallen als in der ersten Jahreshälfte 2020“, so Bruckbauer. 

Dienstleistungssektor verzeichnet starken Einbruch, Industrie stabil

Der starke Rückgang des UniCredit Bank Austria Konjunkturindikators in November ist zwar grundsätzlich auf alle einzelnen Komponenten zurückzuführen. Die Verschlechterung in den einzelnen Wirtschaftssektoren fiel allerdings sehr unterschiedlich aus. „Durch den neuerlichen Lockdown tritt eine klare Zweiteilung der Konjunktur in Österreich zutage. Die Produktionssparten zeigen sich vorerst relativ resistent und entwickeln sich überwiegend positiv. Der Dienstleistungssektor ist dagegen von einem starken Einbruch gezeichnet. Neben den behördlichen Maßnahmen ist dies auch der gestiegenen Verunsicherung der Konsumenten zuzuschreiben“, meint Bruckbauer. Die Stimmung in der heimischen Industrie ist im November weitgehend stabil geblieben, getragen von der aus Asien ausgehenden Erholung des globalen Handels, die jedoch durch die Verschärfung der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie in allen europäischen Nachbarländern an Unterstützung verliert. Wenn auch die Zuversicht gegenüber dem Vormonat etwas nachgelassen hat, sieht die Bauwirtschaft der Zukunft weiterhin optimistisch entgegen. Dagegen sind große Teile des Dienstleistungssektors durch den Lockdown stark unter Druck geraten, insbesondere die Gastronomie und Beherbergung als auch Teile des Handels. Die erneute Verschärfung der Lage am Arbeitsmarkt belastet zudem die Stimmung der Konsumenten.

Deutlicher BIP‐Rückgang im 4. Quartal 2020

Nach der kräftigen wirtschaftlichen Erholung im dritten Quartal signalisiert der starke Rückgang des UniCredit Bank Austria Konjunkturindikators im November einen erneuten Einbruch der Konjunktur. Der private Konsum hat im beinahe abgelaufenen vierten Quartal unter fehlenden Konsummöglichkeiten während des Lockdowns sowie unter der anhaltenden Verunsicherung der Konsumenten infolge der Pandemieentwicklung gelitten. Auch die Investitionstätigkeit dürfte sich unter diesen Rahmenbedingungen insgesamt voraussichtlich abgeschwächt haben, obwohl die exportorientierten Sparten durch die anhaltende globale Erholung Nachfrageunterstützung erhalten haben sollten. „Aufgrund der Pandemieentwicklung und der notwendigen Maßnahmen zu deren Eindämmung erwarten wir einen deutlichen Wirtschaftseinbruch im vierten Quartal 2020, der von der Entwicklung des Dienstleistungssektors bestimmt ist. Die wirtschaftlichen Einbußen während des zweiten Lockdowns werden jedoch deutlich geringer ausfallen als im Frühjahr. Für das Gesamtjahr 2020 gehen wir derzeit von einem Rückgang des BIP um mehr als sieben Prozent aus“, so Walter Pudschedl, UniCredit Bank Austria Ökonom. Die Ökonomen der UniCredit Bank Austria erwarten aufgrund der Pandemie auch für die ersten Monate des kommenden Jahres anhaltende Einschränkungen des Wirtschaftslebens, die den Beginn einer Erholung verzögern. Dem deutlichen Einbruch im vierten Quartal dürfte ein schwacher Start ins Jahr 2021 folgen, da die bislang noch etwas unterstützende Industriekonjunktur zu Jahresbeginn an Kraft verlieren dürfte. Für die österreichische Wirtschaft besteht daher das Risiko einer leichten, technischen Rezession über den Winter. „Mit der konkreten Hoffnung auf eine wirkungsvolle Impfung ab Jahresbeginn und der damit verbundenen Aussicht auf eine schrittweise Normalisierung des Wirtschaftslebens sollte eine dauerhafte Konjunkturwende einsetzen. Wir gehen von einem Rebound im Frühjahr 2021 aus, der in der zweiten Jahreshälfte in eine anhaltend kräftige Erholung übergeht. Damit sollte die österreichische Wirtschaft 2021 ein Wirtschaftswachstum von 3,1 Prozent und 2022 von sogar 5,2 Prozent erreichen können“, meint Pudschedl. Damit wird nach dem Einbruch 2020 in der ersten Jahreshälfte 2022 wieder zum Vorkrisenniveau aufgeschlossen werden können.

Pandemie bleibt bestimmendes Konjunkturrisiko

Das bestimmende Prognoserisiko ist die weitere Pandemieentwicklung sowie das Verhalten der Konsumenten und der Investoren in der beginnenden Erholung. Die aktuell hohe Sparneigung in Österreich dürfte aufgrund einer sich nur zögerlich abbauenden Verunsicherung der Konsumenten das Erholungstempo bremsen. Zudem ist für 2021 mit keinem Reallohnzuwachs zu rechnen und Einkommenseinbußen durch Kurzarbeit bzw. Arbeitslosigkeit werden belasten. Gleiches gilt für die Investitionstätigkeit der Unternehmen, die aufgrund bestehender Unterauslastung sowie angespannter Liquidität den Vorkrisentrend vorerst nicht erreichen werden und dementsprechend das Wachstumspotential in Österreich dämpfen dürften.

Große Herausforderungen am Arbeitsmarkt über den Winter

Nach dem ersten Lockdown im Frühjahr mit einem Höchststand der saisonbereinigten Arbeitslosenquote von 12,6 Prozent hat am österreichischen Arbeitsmarkt ein Verbesserungstrend eingesetzt, der die Arbeitslosenquote im Oktober auf 9,4 Prozent verringerte. Durch den zweiten Lockdown wird sich der im November eingesetzte erneute Anstieg der Arbeitslosenquote in den kommenden Monaten in Richtung 10 Prozent fortsetzen, getrieben vor allem durch die verschlechterten Beschäftigungschancen im Dienstleistungssektor. Erst ab der zweiten Jahreshälfte 2021 ist von einer spürbaren Verbesserung der Lage am Arbeitsmarkt auszugehen. „Nach dem Anstieg auf durchschnittlich 10 Prozent im Jahr 2020 wird die Arbeitslosenquote 2021 auf 9,6 Prozent sinken und erst 2022 etwas stärker abnehmen, mit 8,7 Prozent jedoch weiter klar über dem Vorkrisenniveau liegen“, meint Pudschedl.

EZB reagiert auf niedrige Inflationserwartungen

Nach 1,5 Prozent im Jahresdurchschnitt 2020 erwarten die Ökonomen der UniCredit Bank Austria auch für 2021 eine Inflationsrate von 1,5 Prozent, die sich 2022 auf durchschnittlich 1,9 Prozent erhöhen dürfte. Damit wird trotz der Erholung der Inflationsdruck vorerst überschaubar bleiben, wenn auch deutlich höher als im Euroraum insgesamt, für den eine Teuerung von nur 0,7 Prozent im Jahr 2021 erwartet wird, die sich 2022 auf 1,6 Prozent erhöhen sollte. Aufgrund der niedrigen Inflationserwartungen hat die Europäische Zentralbank (EZB) kürzlich mit der erwarteten Ausweitung des Wertpapierkaufprogramms PEPP sowie mit günstigeren Bedingungen für langfristige Kredite an Banken reagiert, um die Liquiditätsversorgung zu sichern. „Die Zinsen wurden von der EZB zuletzt unverändert belassen und wir gehen davon aus, dass die Zinslevels auch auf absehbare Zeit nicht angetastet werden. Allerdings könnte es bei den Maßnahmen hinsichtlich Liquiditätsversorgung durchaus noch zusätzliche Maßnahmen geben, speziell bei negativen Überraschungen in Bezug auf die wirtschaftliche Erholung“, so Bruckbauer abschließend.

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