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Big Interview mit Stefanie Ahammer von Visa Österreich

Sehr geehrte Leserinnen und Leser, mit der Gesprächsserie „Big Interview“ wollen wir als Medium den dynamischen Entwicklungen unserer Branche Rechnung tragen. Und zwar auf die bestmögliche Art: durch Informationen, Ideen und Erfahrungen aus erster Hand. Von den „Movers and Shakers“, die uns ausführlich Einblick in ihre Verantwortung und ihre Sichtweisen geben und damit neue Horizonte und wertvolles Wissen vermitteln. Wir hoffen, Ihnen damit – als Infoservice der Branche – wichtige Impulse und noch mehr Lesevergnügen zu bieten. Ihr ForumF-Team

Sehr geehrte Frau Ahammer, liebe Stef, schön, dass wir in unserer ”Big-Interview”-Reihe ein Gespräch führen können. Beginnen wir doch mit einer generellen Einschätzung: Viele sagen „Crisis is the new normal“ – gilt das auch für das Payment-Geschäft, und für einen Global Player wie Visa?

Vielen Dank, lieber Peter. Ich freue mich, dass wir wieder sprechen. Im Zahlungsverkehr kommt aktuell vieles zusammen, und genau deshalb lohnt sich dieser Austausch besonders. Gerade in Zeiten wie diesen zählt vor allem, dass Bezahlen zuverlässig funktioniert und im Alltag einfach bleibt. Gleichzeitig sehen wir, dass sich das Umfeld schnell weiterentwickelt, mit neuen Themen wie KI-gestützen Handel, Echtzeit Datenverarbeitung, Blockchain und Stablecoins. Unsere Aufgabe bei Visa ist es, eine robuste und skalierbare Infrastruktur bereitzustellen, auf die sich Menschen und Unternehmen jederzeit verlassen können.

Nun muss man an dieser Stelle mit gutem Recht festhalten, dass das „Kartengeschäft“ längst kein rein solches mehr ist, denn in den letzten zehn, zwanzig Jahren hat sich darin ungeheuer viel verändert und weiterentwickelt…

Das stimmt, und das sieht man heute ja wirklich überall. Wenn wir über Kartenzahlung sprechen, meinen wir oft gar nicht mehr die Plastikkarte. Für viele ist das Smartphone längst das wichtigste Zahlungsmittel, online wie im Geschäft. Und es geht auch längst nicht mehr nur um den Bezahlvorgang selbst. Digitale Zahlungen sind heute fester Bestandteil von Abläufen in Unternehmen, zum Beispiel bei Reisekosten oder Beschaffung. Dazu kommen neue Anwendungsfälle, etwa im öffentlichen Verkehr, wo Bezahlen und Ticketing zusammenwachsen. Gerade hier sehen wir auch in Österreich, vor allem in Wien, viel Potenzial und sind bereits in konkreten Projekten dabei.

Was dazu führt, dass die Rolle und Positionierung von Visa nicht nur in Österreich, sondern global gesehen heute eine wesentlich andere / erweiterte ist…

Ja, das hat sich klar weiterentwickelt. Gleichzeitig ist unser grundlegender Anspruch unverändert geblieben. Wir wollen die beste Art bieten, zu zahlen und bezahlt zu werden, einfach, sicher und reibungslos. Was sich verändert hat, ist das Umfeld. Zahlungsverkehr ist heute tief in den Alltag und in Geschäftsprozesse eingebettet. Und damit steigen die Anforderungen. Es muss schnell gehen, es muss funktionieren und es muss sicher sein.

Genau deshalb investieren wir so stark in unsere Systeme. Damit diese Verlässlichkeit auch unter neuen Bedingungen bestehen bleibt.

Du bist nun seit mehreren Jahren in Österreich aktiv und hast sicher schon genug Erfahrung hier gesammelt aber auch einen etwas „neutraleren“ Blick auf das Land: Hand aufs Herz: sind wir wirklich (ähnlich wie Deutschland) was das Zahlungsverhalten betrifft noch ein bisschen altmodisch?

Ich erlebe Österreich als Markt, der sich Schritt für Schritt weiterentwickelt. Gerade bei jüngeren Menschen sieht man, wie stark mobiles Bezahlen schon angekommen ist. Gleichzeitig spielen Vertrauen und Sicherheit eine große Rolle. Neue Bezahlformen setzen sich deshalb nicht von heute auf morgen durch, sondern dann, wenn sie sich im Alltag bewähren. Und genau da kommt es auf das Zusammenspiel an. Banken, Handel und Technologiepartner müssen gemeinsam Lösungen entwickeln, die wirklich funktionieren.

Kommen wir nun zu den Themen, die alle in der Branche stark bewegen. Zum Beispiel der Einsatz von KI im Banking und Payment: „It´s the end of shopping as we know it“ könnte man meinen…

Beim Thema KI sieht man gerade sehr deutlich, wie viel Bewegung im Markt ist. Man sollte die Entwicklung trotzdem realistisch einordnen. Es wird sich Schritt für Schritt durchsetzen und nicht über Nacht alles verändern. Ein Beispiel dafür ist Agentic Commerce. KI unterstützt bei der Suche, beim Vergleichen und bei der Vorbereitung von Kaufentscheidungen. Die Entscheidung selbst bleibt aber beim Nutzer. Wichtig ist, dass im Hintergrund alles zuverlässig funktioniert. Genau daran arbeiten wir gemeinsam mit Banken und Händlern. Und dass mit Erste Bank Oesterreich als Teil der Erste Group und Raiffeisen Bank International zwei große österreichische Institute von Anfang an dabei sind, zeigt, wie ernst dieses Thema im Markt genommen wird.

Visa widmet sich – auch hierzulande – stark dem Thema „Krypto“. Gekommen ist es als „Neuerfindung“ des Finanzgeschäftes und des Geldes, des Payments. In der Zwischenzeit haben sich die Standpunkte angenähert. Bitte um eine Einschätzung, wie ihr das Thema seht und welche Rolle Visa dabei einnehmen möchte.

Hier hat sich in den letzten Jahren viel sortiert. Am Anfang ging es stark um Grundsatzfragen. Heute stehen viel stärker konkrete Anwendungen im Mittelpunkt. Unser Blick darauf ist bewusst pragmatisch. Entscheidend ist nicht, ob etwas neu ist, sondern ob es im Alltag funktioniert. Also ob es zuverlässig ist, skalierbar und in einen klaren regulatorischen Rahmen passt. Deshalb schauen wir uns digitale Assets an, vor allem Stablecoins. In bestimmten Bereichen können sie einen echten Mehrwert bieten, etwa bei grenzüberschreitenden Zahlungen. Unsere Rolle ist es dabei, diese Ansätze so einzubinden, dass Sicherheit und Vertrauen erhalten bleiben. Denn am Ende setzt sich nur durch, was wirklich funktioniert.

Wie könnte also die Finanzindustrie und Zahlungsverkehrsbranche in 5–10 Jahren aussehen, Worauf können sich die Player wie Banken, der Handel, die Konsumenten einstellen?

Wenn man ein paar Jahre nach vorne schaut, sieht man schon recht klar, wohin die Reise geht. Bezahlen wird zunehmend im Hintergrund stattfinden, nahtlos, vernetzt und als selbstverständlicher Teil des Alltags. Für Banken heißt das, dass sie weiterhin dafür stehen, dass alles zuverlässig läuft. Sicherheit, Stabilität und klare Regeln bleiben zentral. Für den Handel wird Payment noch stärker Teil des Kundenerlebnisses. Es entscheidet mit darüber, ob ein Kauf reibungslos läuft und welche Services möglich sind. Für Konsumentinnen und Konsumenten geht es vor allem um Wahlfreiheit. Sie wollen einfach so bezahlen können, wie es gerade passt. Schnell, sicher und unkompliziert. Und je digitaler Zahlungen werden, desto wichtiger wird Vertrauen.

Liebe Stef, vielen Dank für das ausführliche Gespräch!

Zur Person: Stefanie Ahammer verantwortet seit 2020 als Country Managerin von Visa Österreich sämtliche lokale Aktivitäten des globalen Zahlungstechnologieunternehmens. In dieser Position trägt sie die Verantwortung für den gesamten österreichischen Markt, treibt die digitale Zukunft des Zahlungsverkehrs voran und erschließt gemeinsam mit starken Partnern neue Wachstumspotenziale. Zuvor leitete sie das Cross-Border-Geschäft von Visa in Zentraleuropa und bringt insgesamt über 16 Jahre Erfahrung in der Payment-Branche mit.

Als Führungskraft setzt sie sich für eine offene, transparente Unternehmenskultur sowie die gezielte Förderung von Diversität und die Stärkung von Frauen in der Finanz- und Technologiebranche ein.

Persönlich schätzt Stefanie Ahammer Wien als Lebens- und Arbeitsort und hat sich bewusst für den Wechsel nach Österreich entschieden – nicht zuletzt aufgrund des großen Potenzials des Marktes. Seit 2021 lebt sie gemeinsam mit ihrem Mann und ihrem Sohn in der Stadt.

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