Creditreform Insolvenzstatistik 2021: Weniger Insolvenzen bei Kredit- und Versicherungsunternehmen

Mag. Gerhard M. Weinhofer, Geschäftsführer Creditreform Österreich
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Mag. Gerhard M. Weinhofer, Geschäftsführer Creditreform Österreich

Allerdings steigen eröffnete Firmeninsolvenzen in Österreich wieder erstmals seit zwei Jahren. Der Österreichische Verband Creditreform kommt mit der "Firmeninsolvenzstatistik 2021" zu dem Ergebnis.

Der Gläubigerschutzverband Creditreform hat die endgültigen Zahlen bei den Firmeninsolvenzen für das Jahr 2021 in Österreich analysiert. Die Gesamtzahl an Firmeninsolvenzen ist nach dem starken Einbruch seit Beginn der Corona-Pandemie nur mehr 1,0 Prozent zurückgegangen. Ein Blick in die Details zeigt, dass dieser Trend der letzten eineinhalb Jahre nun zu Ende geht. 

Die Zahl der eröffneten Verfahren ist erstmals seit sechs Quartalen um 12,3 Prozent auf über 2.000 gestiegen. Betrachtet man allein das vierte Quartal 2021, so zeigt sich, dass die Zahl der eröffneten Verfahren um 164 Prozent angestiegen ist. Als Grund für die „Normalisierung“ des Insolvenzgeschehens sieht Gerhard M. Weinhofer, Geschäftsführer des Gläubigerschutzverbandes Österreichischer Verband Creditreform das Auslaufen der Stundungen durch GKK und Finanzämter und die vermehrte Antragsstellung auf Insolvenzeröffnung durch diese Institutionen. Dazu kommt, dass viele Unternehmer durch die volatile, stark verunsichernde Pandemiesituation, in der eine betriebswirtschaftliche Planbarkeit erschwert wird, die Reißleine gezogen haben.

Die Insolvenzursachen liegen generell in Managementfehlern, im Wettbewerb (Preiskampf, sinkende Margen) sowie im Mangel an Kapital und damit konkret in Problemen bei der Rückzahlung der gestundeten Abgaben und Steuern. Da es nur wenige Großinsolvenzen gab, sind sowohl die Insolvenzpassiva (ca. 1,1 Milliarden Euro) als auch die betroffenen Arbeitsplätze (ca. 8.800) stark rückläufig.

Bundesländer im Vergleich

Den stärksten Rückgang verzeichneten Vorarlberg (-30,1 Prozent), Kärnten (-23,0 Prozent) und Salzburg (-13,3 Prozent). Die höchste Insolvenzbetroffenheit herrschte in der Bundeshauptstadt mit knapp zwölf Insolvenzen pro 1.000 Unternehmen, die geringste in Vorarlberg mit weniger als drei von 1.000 Unternehmen. Österreichweit mussten mehr als sechs von 1.000 Unternehmen einen Insolvenzantrag stellen.

Creditreform Insolvenzstatistik 2021: Weniger Insolvenzen bei Kredit- und Versicherungsunternehmen
Grafik der Insolvenzentwicklung, …sterreich 2021

Branchenvergleich: Mehr Insolvenzen im Transportwesen

Am stärksten stiegen die Insolvenzen im Transportwesen („Verkehr- und Nachrichtenübermittlung“) mit einem Plus von 19,7 Prozent, im Handel (+4,0 Prozent) und im Bauwesen (+3,4 Prozent). Hingegen gingen die Insolvenzen im Tourismus („Beherbergungs- und Gaststättenwesen“) mit einem Minus von 13,3 Prozent zurück, gefolgt vom „Kredit- und Versicherungswesen“ mit minus 10,3 Prozent und der Industrie („Sachgütererzeugung“) mit minus 8,7 Prozent und. Die größte relative Insolvenzbetroffenheit herrschte im Bau mit rund 18 von 1.000 Branchenunternehmen.

Conclusio 2021 und Ausblick 2022

Seit dem schnellen und beherzten Eingriff der Bundesregierung mit Beginn des ersten Lockdown im März 2020 gingen die Firmeninsolvenzen auf die niedrigsten Stand seit 30 Jahren zurück: Das viel zitierte Paradoxon von fallenden Insolvenzzahlen mitten in der größten Wirtschaftskrise seit dem 2. Weltkrieg. Seit dem dritten Quartal und nun massiv verstärkt im vierten Quartal kommt es zu einer „Normalisierung“ des Insolvenzgeschehens, d.h. zum Abbau der aufgestauten, nur durch die Hilfsmaßnahmen durchgetragenen, de facto insolventen Unternehmen. Vor allem der Wegfall der staatlich verordneten Abgaben- und Steuerstundungen seit dem 1. Juli und die Wiedereinführung der Insolvenzantragspflicht haben ihren Beitrag dazu geleistet.

Waren in den Jahren vor Covid-19 immer rund 5.500 Unternehmen insolvent, so ist der Rückgang um mehr als jeweils 2.000 Fälle in den vergangenen beiden Jahren 2020 und 2021 untypisch.

Creditreform hat von Univ.-Prof. Walter Schwaiger von der TU Wien die Ausfallsrisiken der Unternehmen durch den so genannten Verhinderungseffekt – Insolvenzen, die durch die staatlichen Maßnahmen verhindert wurden – errechnen lassen. Prof. Schwaiger schätzt, dass rund 2.500 Unternehmen insolvenzgefährdet sind. Sollte diese Gefahrenpotential für die Gläubiger schlagend werden, würde Österreich wieder bei der Vor-Corona-Lage von 5.000 und mehr Insolvenzen landen. Verstärkt wird die Insolvenzgefährdung durch derzeit nicht einschätzbare Entwicklungen in der Pandemiebekämpfung sowie durch weitere wirtschaftliche Unsicherheiten wie Inflation/Preisdruck, Fachkräftemangel und Mehrkosten durch die Klimapolitik. Das werden zuerst die Kleinst- und Kleinunternehmen zu spüren bekommen.

Das neue Jahr 2022 wird somit auf jeden Fall ein Mehr an Firmeninsolvenzen bringen als das Vorjahr.

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