OeNB erwartet trotz Wirtschaftskrise Inflationsrate von 1,4 Prozent für 2020

Gebäude der Oesterreichischen Nationalbank
© OeNB
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Die OeNB erwartet für heuer eine Inflationsrate von 1,4 Prozent und hat ausgerechnet, dass die Senkung der Schaumweinsteuer – im Gegensatz zur Merwertssteuersenkung – auch bei den Konsumentinnen und Konsumenten angekommen ist.

Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) erwartet in ihrer jüngsten Inflationsprognose trotz der aktuellen Wirtschaftskrise für Österreich im Jahr 2020 eine am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) gemessene Inflationsrate von 1,4 Prozent, gefolgt von einem leichten Anstieg auf 1,7 Prozent im Jahr 2021. Auf Basis von Preisdaten aus dem Online‐Handel hat die OeNB berechnet, dass die per Anfang Juli 2020 eingeführte Senkung der Schaumweinsteuer nahezu vollständig an die Konsumenten weitergegeben wurde. Bei Online‐Essensbestellungen hingegen hatte die ebenfalls per Anfang Juli 2020 wirksame Mehrwertsteuersenkung bislang noch keinen Effekt auf die Verbraucherpreise.

OeNB erwartet trotz aktueller Rezession für 2020 Inflationsrate von 1,4 Prozent und 1,7 Prozent im Jahr 202ne1

Nach der volatilen Entwicklung in den vergangenen Monaten wird die HVPI‐Inflationsrate laut OeNB‐Inflationsprognose vom September 2020 im zweiten Halbjahr 2020 sukzessive abnehmen. Verantwortlich dafür sind der anhaltend inflationsdämpfende Effekt des Rohölpreises sowie der zunehmend auf die Inflationsrate wirkende Nachfragerückgang infolge der COVID‐19‐Pandemie. Für das Jahr 2021 erwartet die OeNB, dass der inflationsdämpfende Ölpreiseffekt auslaufen wird, wodurch in Verbindung mit einer verbesserten Nachfragesituation die Inflation wieder etwas ansteigen wird: von 1,4 Prozent für das Jahr 2020 auf 1,7 Prozent für 2021. Die ohne Energie und Nahrungsmittel berechnete Kerninflationsrate wird sich ohne den Energiepreiseffekt spiegelbildlich zur Gesamtinflation entwickeln und von 2,0 Prozent im Jahr 2020 auf 1,6 Prozent im Jahr 2021 sinken. Die seit Anfang Juli 2020 wirksame Mehrwertsteuersenkung in den von der COVID‐19‐Pandemie besonders betroffenen Branchen (Gastronomie, Hotellerie, Kultur, Publikationswesen) wird sich gemäß OeNB‐Berechnungen nicht auf die Inflationsrate im Prognosezeitraum auswirken, da sie von den betroffenen Unternehmen, wie von der Regierung intendiert, als Subvention betrachtet wird.

Mehrwertsteuersenkung in der Gastronomie hat Wirte entlastet, Steuersenkung wurde nur bei Schaumwein an Konsumenten weitergegeben

Mit Anfang Juli 2020 wurde in Österreich die Schaumweinsteuer auf Sekt und Champagner auf 0 Prozent sowie die Umsatzsteuer in der Gastronomie und der Hotellerie vorübergehend auf 5 Prozent gesenkt. Von der OeNB gesammelte Online‐Preisdaten zeigen, dass sich die Senkung des Steuersatzes bei Schaumweinen in den Einzelhandelspreisen deutlich widerspiegelt. Der Preisrückgang bei Schaumweinen war vermutlich aufgrund des starken Nachfragerückgangs vielfach sogar stärker als die Reduktion der Schaumweinsteuer selbst. Die Umsatzsteuersenkung bei Speisen und Getränken hingegen führte laut der Preisentwicklung bei einem großen Online‐Essensbestelldienst zu keinen Preissenkungen bei gelieferten Speisen. Wie von der Bundesregierung intendiert, scheint die Steuersenkung zumindest bei Essenslieferungen zur Verbesserung der Liquiditäts‐ und Ertragssituation der Unternehmen genutzt worden zu sein und wurde bislang nicht an die Konsumentinnen und Konsumenten weitergegeben.

HVPI‐Inflationsrate in den vergangenen Monaten zunehmend volatil

Nachdem die österreichische HVPI‐Inflationsrate seit Jahresanfang 2020 von 2,2 Prozent bis Mai auf 0,6 Prozent gesunken war, stieg sie bis Juli wieder auf 1,8 Prozent an und fiel im August 2020 wieder leicht auf 1,4 Prozent zurück. Der vorübergehende Anstieg im Juli war teilweise auf Sonderfaktoren, wie die Verschiebung der Ausverkaufssaison im Bekleidungshandel sowie Messprobleme im Dienstleistungsbereich, zurückzuführen. Der moderate Anstieg der Rohölpreise seit Juni (ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau) trug ebenfalls zum Inflationsauftrieb bis Juli bei. Lediglich bei Nahrungsmitteln war die Inflation seit Juni rückläufig. Die ohne Energie und Nahrungsmittel berechnete Kerninflationsrate stieg von Mai bis Juli markant auf 2,7 Prozent an, ging aber im August infolge der Normalisierung im Bekleidungssektor wieder auf 2,1 Prozent zurück.

„Inflation aktuell“ ist ein vierteljährlich erscheinender Bericht der Oesterreichischen Nationalbank zur Inflation in Österreich. Darin wird die Inflationsentwicklung der letzten Monate analysiert, die Inflationsprognose der OeNB vorgestellt sowie auf aktuelle Schwerpunktthemen eingegangen.

Die Analysen sind auf der Website der OeNB verfügbar.

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