Versicherer sind Eigenmittel‐Musterschüler

Rainer Kaufmann, Senior Manager Financial Services Advisory Ernst & Young Österreich.
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Rainer Kaufmann, Senior Manager Financial Services Advisory Ernst & Young Österreich.

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Mit der 2009 verabschiedeten Richtlinie Solvency II möchte die EU größere Transparenz über die Solvenz, also Zahlungsfähigkeit, der Versicherer schaffen und Versicherungsnehmern so eine Entscheidungshilfe geben. Im Mai 2017 mussten alle Versicherer in Europa den ersten der ab sofort jährlich zu erstellenden Berichte über Finanzlage und Risiken veröffentlichen. Ergebnis: Österreichische Versicherer sind Musterschüler bei der Eigenmittelausstattung.

In einer umfangreichen Analyse hat die Prüfungs‐ und Beratungsorganisation Ernst & Young unter die Lupe genommen, wie gut Österreichs Versicherungsunternehmen in puncto Solvabilität aufgestellt sind. Basis dafür waren die zum im Mai für das Geschäftsjahr 2016 veröffentlichten Berichte über die Solvabilität und Finanzlage von 37 in Österreich durch die Finanzmarktaufsicht beaufsichtigten Versicherungsunternehmen.
Als ausschlaggebende Messgröße für die Solvabilität, also die Ausstattung mit Eigenmitteln, hat EY die Solvabilitätsquote (SCR‐Quote, Solvency Capital Requirement) aller Versicherer in den Sparten Lebensversicherung, Nicht‐Lebensversicherung und Kompositversicherung untersucht. Die Quote berechnet sich aus dem Verhältnis von verfügbaren Eigenmitteln und erforderlichem Risikokapital. Entsprechen die Eigenmittel exakt der Solvenzkapitalanforderung, liegt die Quote bei 100 Prozent.

Heimische Versicherungsunternehmen verdienen sich beim ersten Bericht nach der Umsetzungspflicht von Solvency II durchgehend Top‐Noten. Mit einer durchschnittlichen Quote von mehr als 250 Prozent übertreffen sie die gesetzlichen Vorgaben deutlich.
Rainer Kaufmann, Senior Manager Financial Services Advisory bei EY Österreich, dazu: „Österreichs Versicherer wirtschaften sehr stabil und sind Musterschüler bei Eigenkapitalquoten. Alle FMA‐geprüften Anbieter übererfüllen mit ihrer Solvabilitätsquote die gesetzlichen Vorgaben. Das heißt, dass alle heimischen Versicherer über genügend Kapitalreserven verfügen, um Negativszenarien zu überstehen, die statistisch einmal alle 200 Jahre vorkommen oder in zwölf Monaten eine von 200 Versicherungen treffen können“.

Bei Kompositversicherungen, also Anbietern von Schaden‐ und Unfallversicherungen und Lebensversicherungen, liegt die durchschnittliche Solvabilitätsquote bei 218 Prozent. Die höchste Bedeckungsquote in der Sparte weist mit 343 Prozent die GRAWE Versicherung auf. Dahinter folgen Wüstenrot (273 Prozent) und die Vorarlberger Landesversicherung (262 Prozent) auf den Plätzen zwei und drei.

Bei den Lebensversicherungen liegt die Quote mit 226 Prozent im Durchschnitt knapp höher. Die höchste Bedeckungsquote hat dort mit 270 Prozent die HYPO Versicherung. Dahinter folgen die APK Versicherung (256 Prozent) und die FWU Life Insurance Austria, die ehemalige Skandia (239 Prozent).

„Das aktuelle Niedrigzinsumfeld dämpft die Quoten in den Sparten Komposit‐ und Lebensversicherung. Da sichere Anlagen wie Staatsanleihen momentan nur wenig Rendite abwerfen, sind die langfristigen Zinsgarantien deutlich schwieriger einzuhalten. Diese Kluft stellt in allen Sparten außer den Nicht‐Lebensversicherungen ein erhebliches Risiko dar, das sich deutlich in den Solvabilitätsquoten niederschlägt“, so Rainer Kaufmann.

Am höchsten ist die durchschnittliche Quote dementsprechend in der Sparte Nicht‐Lebensversicherungen mit 314 Prozent. Auf der Spitzenposition liegt mit 633 Prozent die auf Haftpflichtversicherungen spezialisierte SK Versicherung. Dahinter folgen die Allianz Elementar Versicherung (399 Prozent), die VIG VIENNA INSURANCE GROUP (390 Prozent) und die Europäische Reiseversicherung AG (383 Prozent).

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