BCG‐Studie: Corona‐Krise bremst weltweites Vermögenswachstum

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Das Finanzvermögen der Österreicher ist von 2018 auf 2019 währungsbereinigt um sieben Prozent auf 900 Milliarden US-Dollar gestiegen. Die Corona-Krise könnte aber zu einem Wachstumsstopp führen. Dies zeigt eine aktuelle Studie der Boston Consulting Group.

Das weltweite Privatvermögen ist von 2018 auf 2019 deutlich gestiegen. Bereinigt um Währungseffekte stieg es um zehn Prozent auf 226,4 Billionen US‐Dollar an. Im Jahr davor war es mit 1,6 Prozent kaum gewachsen. Die Corona‐Krise könnte das Wachstum aber zum Stillstand bringen. Dies geht aus der Studie „Global Wealth Report 2020: The Future of Wealth Management—A CEO Agenda” der Strategieberatung Boston Consulting Group (BCG) hervor. „Der Haupttreiber für den deutlichen Zuwachs an weltweitem Privatvermögen war die positive Entwicklung an den Kapitalmärkten“, analysiert Anna Zakrzewski, BCG‐Partnerin und Autorin der Studie. In den vergangenen 20 Jahren hat sich das persönliche Finanzvermögen weltweit fast verdreifacht. „Trotz mehrerer Krisen erwies sich das Vermögenswachstum stets als robust“, erklärt Zakrzewski.

Finanzvermögen der Österreicher stieg im Vorjahr um sieben Prozent

Das Finanzvermögen der Österreicher ist von 2018 auf 2019 währungsbereinigt um sieben Prozent auf 900 Milliarden US‐Dollar gestiegen. Mit dieser Entwicklung liegt Österreich im weltweiten Vergleich des Gesamtvermögens auf Platz 26. Österreicher halten 33 Prozent ihres Vermögens in Aktien und Investmentfonds. Damit liegen sie acht Prozentpunkte über dem Durchschnitt Westeuropas. „Entgegen der vorherrschenden Meinung zeigt sich, dass die Österreicher dem Aktienmarkt gegenüber aufgeschlossen sind“, sagt Zakrzewski. Dennoch wird nach wie vor mit 41 Prozent der größte Anteil des Privatvermögens in Spareinlagen oder Bargeld gehalten. Das sind rund elf Prozentpunkte mehr als der Durchschnitt in Westeuropa. Wie auch in den Jahren zuvor wird die Liste von den USA mit 94,2 Billionen US‐Dollar angeführt, gefolgt von China (23,8 Billionen US‐Dollar), Japan (17,6 Billionen US‐Dollar) und Großbritannien (9,7 Billionen US‐Dollar). Insgesamt halten Millionäre mehr als die Hälfte des gesamten Finanzvermögens weltweit.

Corona‐Krise kann zu Stillstand führen

Während Prognosen aus 2019 ein weltweites jährliches Wachstum von 5,7 Prozent und in Österreich von 4,5 Prozent für die kommenden fünf Jahre zeigten, ergeben sich durch die Corona‐Krise deutlich nach unten korrigierte Szenarien. Das Vermögen der Österreicher wird im besten Fall bis 2024 voraussichtlich um 3,7 Prozentpunkte pro Jahr auf eine Billion US‐Dollar wachsen. Bei einer langsamen Erholung der Wirtschaft ist mit einem maximalen Wachstum von 2,9 Prozentpunkten pro Jahr, im schlimmsten Fall nur mit 1,7 Prozentpunkten zu rechnen. „Wir erleben seit zehn Jahren einen Bullenmarkt. Dieses ideale Umfeld und die damit verbundenen hohen Mittelzuflüsse haben Vermögensverwalter davor bewahrt, schwierige Entscheidungen treffen zu müssen. Jetzt stehen neue Zeiten an, in denen diese Entscheidungen beschleunigt werden müssen“, so Zakrzewski. Denn die Corona‐Krise kann den Druck auf die Profitabilität der Vermögensverwalter so stark erhöhen, wie seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr.

Krise setzt Vermögensverwalter unter Druck

Viele Vermögensverwalter sind bereits geschwächt in die Krise gestartet: Ende 2019 war die Rendite der Vermögenswerte (RoA) bereits 22 Basispunkte (0,22 Prozent) tiefer, und das Cost‐Income‐Ratio 13 Prozent höher im Vergleich zu 2007. Aufgrund der aktuellen Situation stehen Vermögensverwalter vor der Herausforderung, ihr Geschäft mit deutlich sinkenden Margen voranzutreiben. „Die Entwicklung personalisierter Produkte und Services, die Reduzierung von Kosten sowie die Nutzung von Big Data und Advanced Analytics, also neuer digitaler Analyseverfahren, sind essenziell, um Kunden auch in Zukunft zu binden“, sagt Zakrzewski und ergänzt: “Die meisten Vermögensverwalter fokussieren sich momentan mehrheitlich auf kurzfristige Verbesserungsmaßnahmen, anstatt langfristig an die Zukunft zu denken. Dies ist problematisch: Was heute ein Wettbewerbsvorteil ist, wird in Zukunft zum Standard geworden sein.“ Abschließend betont Zakrzewski: „Es ist jetzt an der Zeit, digitale und kulturelle Transformationen anzustoßen und klar zu überlegen, wie man sich in Zukunft differenzieren kann. So können sich Vermögensverwalter von der Konkurrenz absetzen und die Krise bewältigen.“

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