Christian Pirkner, Blue Code International AG: „Befeuert durch die Corona‐Krise, geht der Trend aktuell in Richtung kontaktloser Bezahlformen.“

Christian Pirkner, CEO der Blue Code International AG
© Bluecode / Claudio Wilhelmer

Christian Pirkner, CEO der Blue Code International AG

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Im Interview erläutert Dr. Christian Pirkner, CEO Blue Code International AG und Anbieter der paneuropäischen Mobile-Payment-Lösung Bluecode, die Hintergründe der Zusammenarbeit mit Gem2Go und spricht über die langfristigen Ziele der Mobile-Payment-Lösung.

ForumF: Sie kooperieren seit kurzem mit der Bürgerservice‐App Gem2Go und machen so Usern das Bezahlen per App möglich. Wie ist es zur Zusammenarbeit mit Gem2Go gekommen?

Christian Pirkner: Insbesondere in Zeiten von Corona sind die Unterstützung lokaler KMU und berührungsloses Bezahlen für Bürger noch wichtiger als zuvor geworden. Der Entwickler RIS GmbH aus Steyr möchte die Bürgerservice‐App Gem2Go stetig mit weiteren Mehrwerten aufwerten und hat so auch nach einer passenden Bezahlfunktion gesucht. Da Bluecode einfach wie ein Plugin in die Apps von Drittanbietern integriert werden kann, haben wir uns dazu entschlossen, zusammenzuarbeiten und eine entsprechende Mobile‐Payment‐Lösung anzubieten. Für Bürger österreichischer Gemeinden ist es eine praktische Lösung, die auch den Unternehmen vor Ort sofort einen hohen Nutzen bringt.

ForumF: Und was sind die Ziele dieser Zusammenarbeit?

Christian Pirkner: Die neue Partnerschaft von Gem2Go und Bluecode ist eine Win‐Win‐Situation für alle KMUs und Bürger und stärkt vor allem die Wirtschaft vor Ort in den Gemeinden: Zum einen können die Nutzer der Gem2Go‐App berührungslos per Handy bezahlen und gleichzeitig attraktive Bonusprogramme, wie digitale Stempelpässe, Gutscheine und Gewinnspiele der lokalen Händler oder aber auch Gratiseintritte in Gemeindeeinrichtungen wie etwa Freibäder in Anspruch nehmen. So wird lokales und regionales Einkaufen zusätzlich belohnt. Zum anderen können die Händler sichere bargeldlose Zahlungen anbieten, durch die reichweitenstarke Gem2Go‐App neue Kunden gewinnen und mit individuellen Bonusprogrammen die Kundenbindung stärken. Für Bluecode ist es natürlich auch ein spannender neuer Anwendungsfall für Mobile Payment, der als Vorbild für weitere Bluecode‐Integrationen in Apps von Gemeinden, Banken oder Händlern dienen kann, damit diese Apps eine Bargeldlos‐Bezahlfunktion bekommen.

ForumF: Bluecode erhielt im Dezember 2019 ein Investment in der Höhe von 12 Millionen Euro mit dem Sie den nationalen und internationalen Ausbau der in Österreich entwickelten Zahlungslösung forcieren wollen: In wie vielen Märkten wird die Payment‐Lösung bereits genutzt?

Christian Pirkner: Wir treiben mit unseren Partnern, darunter namhafte Banken wie beispielsweise die österreichischen Raiffeisen‐Banken sowie die deutsche Sparkassen‐Finanzgruppe, die europaweite Expansion von Bluecode voran. Führende Handelskonzerne in Österreich und Deutschland, wie die Rewe‐Töchter Billa, Merkur und Bipa sowie die Spar‐Österreich‐Gruppe oder die deutsche Globus‐Gruppe, sind ebenfalls dabei. Unser Ziel ist natürlich vorwiegend der Aufbau einer noch breiteren Akzeptanz, speziell in Österreich und Deutschland, aber auch die Etablierung zusätzlicher Mehrwerte, die an den eigentlichen Bezahlprozess angeschlossen sind. Daher laden wir Banken und den Handel ein, sich aktiv zu beteiligen, damit das Zahlungsnetzwerk noch schneller wächst und rund 500 Millionen Endkunden europaweitmit einer europäischen Lösung bargeldlos per Smartphone bezahlen können. Das ist unser großes Ziel für die nahe Zukunft.

ForumF: In welche weiteren Märkte wollen sie zukünftigexpandieren? Und welche Rolle spielt der DACH‐Raum für Bluecode?

Christian Pirkner: Der DACH‐Raum ist ein sehr wichtiger Kernmarkt von uns, da wir in Österreich groß geworden sind und wir vor allem im Handel, wie beispielsweise bei unserem Partner REWE, auch viele Synergien mit unserem Nachbarn Deutschland sehen. Unsere Muttergesellschaft Blue Code International AG sitzt in der Schweiz und wir haben Büros in Wien und Innsbruck. Um ein paneuropäisches Zahlungsnetzwerk zu schaffen, müssen wir aber über den DACH‐Raum‐Tellerrand blicken. Vergangenes Jahr haben sich daher mittlerweile elf führende Mobile‐Payment‐Anbieter Europas, darunter auch Bluecode, zur European Mobile Payment Systems Association (EMPSA) zusammengeschlossen. Eines der Ziele ist es, die beteiligten optischen Zahlungssysteme interoperabel zu machen, damit wir die bisher gut entwickelten nationalen Handy‐Zahlungslösungen auch international einsetzen können. Das heißt, User sollen grenzübergreifend auch bei allen Akzeptanzstellen der anderen Anbieter mit ihrer von daheim gewohnten Mobile‐Payment‐Lösung bezahlen können. Erste Pilot‐Tests laufen bereits. Ein einheitlicher Standard, der von allen Anbietern verstanden wird, wertet das europäische Zahlungsnetzwerk und das Akzeptanzstellen‐Netz in Handel, Hotellerie und Gastronomie massiv auf. Zudem bedarf es einer europäischen Lösung im Zahlungsverkehr, der bisher zumeist von amerikanischen Playern dominiert wird. Die EMPSA wächst laufend, vor Kurzem durften wir Mobile‐Payment‐Dienstleister aus Italien und Slowenien willkommen heißen. Ziel ist, sämtliche europäische Länder abzudecken und mit den dort führenden optischen Mobile‐Payment‐Anbietern zu kooperieren – also jenen, die am POS durch Scannen eines Barcodes oder QR‐Codes am Handydisplay funktionieren.

ForumF: Sie bieten mit Bluecode eine Mobile‐Payment‐Lösung an. Welche Leistungen umfasst Ihr Angebotsportfolio konkret?

Christian Pirkner: Bluecode bietet mittels Direktanbindung an das Girokonto des Users mehrwertbasiertes mobiles Bezahlen – also Mobile Payment in Verbindung mit Value Added Services, wie zum Beispiel digitale Gutscheine, Sammelpässe, Gewinnspiele oder Kundenkarten‐Verlinkungen, die direkt mit der Payment‐App am iPhone und Android‐Smartphone eingelöst werden können. Da Bluecode ein optisches Zahlungsverfahren ist, funktioniert es auch mit Apple‐Endgeräten. Bargeldlose Bluecode‐Zahlungen sind omnichannelfähig und am POS, im E‑Commerce, im M‑Commerce und an Automaten möglich. Am POS wird der angezeigte Barcode, der Bluecode, vom Händler an der Registrierkasse oder an unseremneuen Bluebox‐Terminal eingescannt. In Webshops und an Automaten scannt der User mit der Bluecode‐App einen QR‐Code, um die Zahlung zu initiieren. Der Betrag wird anschließend einfach vom Girokonto des Users abgebucht. Zudem ist unsere Zahlungsfunktion wie ein Plugin auch in Drittanbieter‐Apps der Banken und des Handels integriert, wie zum Beispiel Raiffeisen Bluecode, BKS Bluecode, die Kundenkarten‐App mobile‐pocket oder die Sport‐Fan‐Apps des 1. FC Köln, des FC Augsburg und der Adler Mannheim.

ForumF: Inwiefern wirkt sich die Corona‐Krise auf Ihr Tagesgeschäft und den Payment‐Bereich insgesamt aus?

Christian Pirkner: Befeuert durch die Corona‐Krise geht der Trend aktuell weg vom Bargeld in Richtung kontaktloser Bezahlformen. Bis vor ein paar Monaten war es eher die Ausnahme, dass Händler, Bäcker oder Apotheken aktiv dazu aufrufen, elektronisch mittels Karte oder Smartphone zu bezahlen – nun wird es allerorten empfohlen, um das Ansteckungsrisiko zu verringern. Laut einer Umfrage des Österreichischen Gallup Instituts erlebt kontaktloses Bezahlen „seit dem 16. März einen regelrechten Schub“ und 35 Prozentder Befragten wollen auch künftig weniger oft mit Bargeld zahlen. Dadurch wurde erstmals in Österreich während der Corona‐Krise wertmäßig gleich viel kontaktlos gezahlt wie in bar. Auch wir bemerken, dass sich das Thema Hygiene beim Bezahlen stark in den Köpfen der Menschen verankert hat, und freuen uns, mit dem berührungslosen mobilen Bezahlen per Bluecode einen wesentlichen Beitrag für einen sicheren Einkauf leisten zu können. Denn bei Bluecode ist ja keine PIN‐Eingabe am Bezahlterminal notwendig. Ein berührungsloses Scannen des Bluecodes an der Kasse durch den Händler genügt – und fertig.

ForumF: Und wie sehen Sie die weitere Entwicklung für Payment‐Dienstleister?

Christian Pirkner: Als Optimist sehe ich natürlich einen vielfältigen Payment‐Markt. Allein in Deutschland wollen laut aktueller PwC‐Studie „Mobile Payment Report 2019” 57 Prozent der Befragten in den nächsten fünf Jahren mobiles Bezahlen via Smartphone oder Tablet nutzen. Die kürzlich veröffentlichte Studie „The Future of Payments“ von Deutsche Bank Research prognostiziert, dass in Deutschland der Anteil der mobilen Zahlungen am POS bis 2025 auf rund 30 Prozent steigen wird. Wir wollen diesen Trend den US‐Konzernen nicht kampflos überlassen. Wenn alle Beteiligten gemeinsam an einem Strang ziehen und eine paneuropäische Alternative zu Apple Pay, Google Pay & Co. etablieren, dann haben europäische Payment‐Dienstleister noch eine Chance, einem Oligopol amerikanischer Konzerne in Europa entgegenzuwirken und in Zukunft ein gewichtiges Wort mitzureden.

ForumF: Welche Ziele haben Sie sich für das zweite Halbjahr 2020 gesetzt?

Christian Pirkner: 2020 fokussieren wir uns auf die europaweite Expansion der Bluecode‐Bezahltechnologie in Zusammenarbeit mit Banken, vor allem durch die Harmonisierung der führenden optischen Bezahlsysteme Europas, sowie auf den Ausbau des Händler‐Akzeptanzstellen‐Netzes in Österreich und Deutschland. Die kürzlich gestartete Integration unserer Bezahlfunktion in die Bürgerservice‐App Gem2Go werden wir laufend auf weitere Gemeinden ausweiten, um lokale KMUs noch besser zu unterstützen, und es wird auch noch in diesem Jahr eine Reihe an neuen Partnern geben. Natürlich wollen wir auch unsere Mehrwertplattform forcieren und das Angebot an attraktiven Mehrwerten beim mobilen Bezahlen weiter ausbauen.

ForumF: Was unterscheidet Bluecode von anderen Payment‐Dienstleistern?

Christian Pirkner: Im Gegensatz zu anderen Systemen ermöglichen wir mehrwertbasiertes mobiles Bezahlen, basierend auf sicheren europäischen Standards. Das heißt, wir bieten Usern zusätzlich digitale Mehrwertservices, welche über das reine bargeldlose Bezahlen hinausgehen. So können Banken und Händler die Kundenbindung stärken und User beim Bluecode‐Bezahlvorgang automatisch auch nützliche Mehrwerte wie Gutscheine, Rabatte oder Gewinnspiele einlösen. Die weltweit größten mobilen Bezahlsysteme wie Alipay und WeChat Pay oder die Starbucks‐App leben es vor: Mobiles Bezahlen ist nur dann erfolgreich, wenn es besser ist als Bargeld oder Kartenzahlungen. Es muss also einen zusätzlichen, belohnenden Mehrwert geben – etwa eine Rabattmarke im digitalen Sammelpass oder einen Gutschein für einen gratis Coffee‐to‐go. In den USA ist neben Apple Pay und Google Pay auch die App eines Händlers sehr beliebt ‚um damit zu bezahlen: Die Starbucks-App.Warum? Weil früh erkannt wurde, dass man bei mobilen Zahlungen mit verschiedensten Boni die Treue belohnen und dadurch eine regelmäßige Nutzung und starke Kundenbindung schaffen kann. Genau diesen Weg gehen wir mit Bluecode und unseren Partnern in Europa.

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